Um zu vermeiden, die weltgrößte Sandinsel Fraser Island mit einer überteuerten, organisierten Tour inkl. lauter Pubertierender zu besuchen, haben wir uns auf eigene Faust ins Abenteuer gestürzt. Zwei Mitfahrer waren schnell im Internet gefunden und so ging es mit dem südtirolerisch-österreichischen Pärchen in unsrem Alter (Lukas und Carmen) an die Prozedur des Auto mietens, natürlich mit Vierradantreib. Die Wahl fiel auf den berüchtigten Backpacker-Autoverleih „Wicked“, da es eine Sonderaktion zum unschlagbaren Preis gab. So zahlten wir für vier Tage dasselbe, wie manch anderer pro Tag PRO PERSON! für seinen Mietwagen. Der Autovermieter war ein geselliger Australier, wie er im Buche steht und versorgte uns nach stundenlanger Datenaufnahme mit Fahrtipps, so wie einem Programm, an das wir uns natürlich nicht hielten und dem Feinsten, was sein Vorrat an Campingutensilien so zu bieten hatte. Es war Liebe auf den ersten Blick: ein Pajero im Armee-Tarnmuster besprüht, nur ganz in blau sollte unser treues Gefährt sein.

Nach einer Shopping-Tour (bei ALDI, wo sonst?!) luden wir also am nächsten morgen unsre eigenen zwei Camper aus und unser „Wölkchen“ voll. Wie durch ein Wunder war auf der Rückbank dann doch noch genügend Platz für zwei (dünne) Persönchen. Ein Wunder?! -Nein, es waren natürlich Nicos unfassbar ausgeprägte Packqualitäten, dank deren wir alle zu viert starten konnten und doch keiner zurückgelassen werden musste.

Der Weg zur Fähre wurde von den Jungens direkt zur Übungsstrecke auserkoren, denn es handelte sich um eine ca. 40cm tiefe Sandpiste am Strand. Die Überfahrt selbst war nur 15 Minuten lang und verlief leider ohne Delfinbegleitung, obwohl wir für unser 100$ (immerhin für Hin- und Rücktour, was ein Schnäppchen!!!) etwas mehr Entertainment erwartet hätten.

Auf Fraser angekommen, durften dann wir Mädels ran und es war so unglaublich herrlich, mit 80km/h über den 75 Meilen langen Strand am türkisen Meer entlangzudüsen, dass wir damit den ganzen Nachmittag verbrachten.

Dank bekloppter Touristen hat Fraser Island ziemliche Probleme mit zudringlichen Dingos, die aber die reinrassigsten ganz Australiens sind und daher unter besonderem Schutz stehen. Leider wurden sie aber zu oft gefüttert und zum „spielen“ animiert, so dass sie nun aggressives Verhalten zeigen und es schon zwei (etwas ominöse) Todesfälle gab. Wie viele zudringliche Dingos aus Sicherheitsgründen schon erschossen wurden, wird nicht verraten, aber es ist gängige Praxis.

Da Carmen nicht gerade der größte Hundefan ist und die Dingos ihr unheimlich waren, haben wir zur Eingewöhnung die erste Nacht in einem umzäunten Campingplatz verbracht. Natürlich ging es aber nicht ganz ohne tierische Mitbewohner und so stolperte man nachts auf dem Weg zur Toilette über zahllose Kröten, tags über Leguane und von den Spinnen in Klos und Duschen fange ich gar nicht erst an 😉

Zu sämtlichen Sehenswürdigkeiten (im großen und ganzen sind das hammermegakrass riesige Sanddünen mit blendend weißem Sand, Süßwasserseen mit blendend weißem Sand und ein paar Flüsschen mit -Überraschung!- blenden weißem Sand!) führen meist einspurige „Offroad“-Wege, eigentlich mehr Schneisen im Eukalyptus- und Regenwald. Vom Sand mal abgesehen besitzt Fraser Island eine beeindruckende Vielfalt an Waldarten und hinter jede Ecke erwartet einen eine ganz neue, beeindruckende Landschaft. Jede Fahrt war ein holperiges Abenteuer über Stock bzw. Wurzeln und Sand und wehe, wenn mal Gegenverkehr kam. Ich behaupte aber, dass wir uns gut geschlagen und dank unserem Wölkchen immer eine gute Figur gemacht haben.

Die weiteren Übernachtungen fanden in den Dünen statt und wer schon einmal direkt am Meer auf dem Strand im Zelt geschlafen hat, weiß was ich meine, wenn ich sage: der Knüller! Mit dem Meeresrauschen einzuschlafen und aufzuwachen und seinen Klappstuhl und seine Müslischale dann zum Frühstück auf der Düne zu platzieren ist auf jeden Fall einmalig schön.

Wir hatten dann auch noch das Glück beim Zähneputzen ein paar Wale am Horizont zu sichten, wie sie senkrecht aus dem Wasser schossen, wieder hineinkippten und ihre Fontänen in den Himmel zischten. Mit dem Wetter hatten wir leider mal gar kein Glück, denn es regnete immer wieder, so dass wir oft hastig einpacken und aufbrechen mussten. Dingotechnisch verlief aber alles harmlos, insgesamt haben wir vier gesichtet, und nur einer von ihnen hat mir nachts einen Schrecken eingejagt, als seine Augen im Taschenlampenlicht plötzlich direkt vor mir aufleuchteten.

Von einem Felskliff aus hatten wir eine schöne Aussicht über die Insel und konnten Delfine (endlich!) spielen und große Schildkröten zum Atmen auftauchen sehen.

Es war auf jeden Fall ein richtig genialer Ausflug, den wir dank Wölkchen in unserem eigenen Tempo und ganz nach unsrem Geschmack gestalten konnten.