Der Flug von Singapur nach Brisbane am 25. August war das reinste Erlebnis, da wir mit der upper class Airline Emirates unterwegs waren. Jeder Platz hatte seine eigene Konsole, mit der man spielen, Musik hören, oder Filme sehen konnte. Abgesehen davon hatte man auch Zugriff auf verschiedene Kameras, die am Flugzeug angebracht waren und konnte so den Start überwachen und dann die Aussicht genießen. In den sieben Flugstunden guckte jeder seine eigenen Filme und war gut beschäftigt, denn es gab nebenbei Getränke non stop und ca. vier Snacks bzw. Mahlzeiten. Mein Film war so traurig und dramatisch, dass ich die ganze Zeit mit Nase putzen und Augen wischen beschäftigt war. Passiert mir sonst echt NIE (als Leo bei „Titanic“ abgegluckert ist, musste ich lachen und hatte das ganze Kino gegen mich…), dann aber natürlich an einem so einsamen Ort, wie im Flugzeug…
Obwohl wir erst um 1:30Uhr nachts in Brisbane landeten, holte uns unser erster helpX-Host am Flughafen ab. HelpX ist ein Verzeichnis im Internet, bei dem man Leute (Familien, Farmen, Familienunternehmen usw.) findet, die einen gegen vier Stunden Arbeit am Tag bei sich wohnen lassen und einen durchfüttern. Wir hatten uns die Jacksons ausgesucht, da sie in der Nähe von Brisbane wohnen und wir so eine gute Basis zur Campervansuche und Orientierung hatten. Mit der hilfreichen Wegbeschreibung von Nico: “Wir sind hier vor dem Flughafen in der “Form one lane“.“ fand uns Wayne dann auch sofort. („Form one lane“ ist ein Straßenschild, das einen darauf hinweist, dass es einspurig wird und dazu auffordert, aus zwei Spuren eine zu bilden, KEIN Straßenname!) Nach kurzer Fahrt schlüpften wir des nachts zu unserem französischen Mithelfer ins Zimmer und schliefen erst mal bis 12Uhr aus.
Was wir nach den drei Monaten Asien am meisten genossen haben, waren die frische Luft, ein herrliches Badezimmer und die ganzen Leckereien (Käse, Oliven, Nutella, Milch, „Brot“ aka Toast, Süßigkeiten). Kulinarisch wurden wir von unseren Gastgebern Wayne und Fiona total verwöhnt, es gab jeden Tag frisches Gemüse und viiiiiiel Fleisch. Mit im Haus wohnen noch deren ältester Sohn Joe und tageweise dessen Sohn Rhylee. Zwei der erwachsenen Töchter arbeiten in der eigenen Firma für Erste-Hilfe-Kurse, die von zu Hause aus geführt wird. Insgesamt gibt es sieben Enkel von 2 bis 8, sechs davon sind Mädels, von denen drei wiederum täglich einfielen und unterhalten werden wollten. Das war eine meiner angenehmen Aufgaben, der Rest war zwar auch okay, aber eben Hausarbeit. Nico war damit beschäftigt, den Vorgarten á la Santa Fee zu gestalten. War etwas schwierig, da sich Wayne und Fiona nicht ganz einig waren und auch nicht so recht wussten, was sie nun wollten.
Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, wie es ist, in einem fremden Haushalt zu wohnen und sich dort zu Hause zu fühlen. Das haben Wayne, Fiona und vor allem die Kleenen uns echt leicht gemacht. Ehe man’s wusste, war man ein Teil des familiären Gewusels.

die Knuffels und icke
Komisch war es aber schon, nach den ganzen Jahren wieder in einem Familienhaushalt zu wohnen. Wir haben in den insgesamt drei Wochen auch die ganzen kleinen und größeren Macken mitbekommen, und es war schon interessant, in eine fremde Familiendynamik zu schmulen. Auf jeden Fall hab ich ein paar der Kids echt ins Herz geschlossen und vermisse sie inzwischen schon ein bisschen. Unser bloody french Mithelfer Alex war genau unsere Kragenweite und hat uns vor allem das Kochen, Abwaschen und Tischtennisspielen versüßt.
Leider waren gerade sämtliche Autos der Familie in der Werkstatt, so dass wir in der ganzen Zeit nur einen Ausflug gemacht haben. Wir sind um 6:30Uhr los ans Meer gefahren und bei 18°C Wassertemperatur in die eisigen Fluten gestiegen. Leider war um diese nachtschlafende Zeit auch die Lufttemperatur nicht viel höher. Ein Kaffee in Surfer’s Paradise hat uns wieder aufgetaut und uns klargemacht, dass der Name dieses Ortes nur aufs Surfen beschränkt sein kann. „Marzahn am Meer“, wie Lisa uns gewarnt hat.
Die Suche nach einem Van erwies sich als zeitaufwendig und schwierig und da wir uns erst mal einen Überblick über den Markt verschaffen wollten, hatten wir nach zwei Wochen immer noch nichts gefunden.
Also brachen wir mit dem Greyhound-Bus nach Toowoomba auf und noch nicht auf den eigenen vier Rädern…