Endlich mal eine richtig gemütliche Busfahrt! Wir haben sogar noch ein Schnäppchen gemacht und konnten so im Overnightbus in Nicos Geburtstag reinratzen, ohne uns zu grämen. Unser Schlafbus war sogar so leer, dass wir uns in zwei Doppelkojen ausbreiten konnten und daher diagonal schlafend sogar noch jeweils 2cm Kopf-und Zehenfreiheit hatten. Das tolle an diesen Bussen ist, dass man über die komplette Seite ein Fenster hat und so verbrachte ich den Großteil der Nacht mit Sterne gucken, während Nico selig schlief.

im Schlafbus von Vientiane nach Pakse
Zitat Nico: „Es war auch alleine in einem „Doppelbett“ recht ungemütlich, aber im Gegensatz zu dem, was wir davor in laotischen Bussen erlebt haben, war es das absolute Spezial-Erste-Klasse-Vip-Erlebnis.“
Die Weiterfahrt nach Tadlo gestaltete sich ungewohnt einfach, obwohl wir natürlich wieder ein Tuktuk vom VIP-Busterminal zum Public Bus-Terminal nehmen mussten. Aber dort fanden wir den richtigen Bus sofort, stiegen wir einfach ein, hatten bequeme Sitze und konnten in aller Ruhe beim Beladen zusehen. Diesmal reisten auf dem Dach und im Laderaum ungefähr sieben Styropor-Boxen bzw. Plastiktüten randvoll mit lebenden, zappelnden, großen Fischen mit. Ob sie die drei Stunden in sengender Sonne überlebt haben, ist allerdings fraglich.
Tadlo ist ein furchtbar kleines, süßes, gechilltes Dörfchen, an einer immerhin geteerten Straße, die stets von Kühen, Hühnern und Schweinen bevölkert ist, während die Wasserbüffel im Fluss rumhängen und die Elefanten in der Safari-Lodge zwar eingezäunt sind, aber viel Auslauf haben.
Unser Bungalow am Fluss hatte einen Balkon mit Blick auf und in Hörweite zum Wasserfall und außer zu einer Wanderung und einer Radtour verließen wir ihn praktisch nicht.

der Tadlo Wasserfall (der Blick von unserem Balkon)

das mit dem Handtuch is unser Bungalow
Auf der Wanderung schauten wir uns einen Wasserfall an und gerieten in ein noch abgelegeneres Dörfchen, in dem uns die Leute überzeugten, zum Tadsu zu laufen und jeder, der uns traf die Richtung wies. Wir hatten keine Ahnung, was oder wo Tadsu war, dachten aber, es würde sich schon lohnen, wenn alle so wild darauf waren. Wir latschten also in die angewiesene Richtung, kamen durch eine schöne Landschaft voller Zucchini-Felder und trafen auch da auf vereinzelte Bauern, die alle „Tadsu?!“ fragten und uns dann die Richtung zeigten. Dummerweise war der letzte Bauer aber richtungstechnisch anderer Meinung und meinte „Tadsu?!“ -nee, da wären wir wohl falsch. Nach mehrmaliger Nachfrage und nachdem wir uns sicher waren, dass er uns und wir ihn verstanden hatten, kehrten wir also um und probierten sämtliche Abzweige, die jedoch alle in irgendwelchen Felder endeten. Im Dorf wollten uns dann wieder alle nach Tadsu schicken und waren über unsere Antwort „No Tadsu!“ etwas perplex.
Unsere belgischen Bungalow-Nachbarn lüfteten dann das Geheimnis um „Tadsu“ bei einem gemeinsamen Abendessen und meinten, dass wäre ein 100 Meter hoher Wasserfall. Ihre Fotos und die sichere Wegbeschreibung veranlassten uns, am nächsten Tag zwei stylische, pinke Räder zu leihen und zum Tadsu zu düsen. Im zugehörigen Dorf angekommen wurden wir natürlich wieder mit stürmischen Tadsu-Rufen begrüßt und drei kleene Bengel ließen sich nicht davon abhalten, uns „den Weg zu zeigen“. Ich hatte zwar den Eindruck, dass unsere Guides am Ende auf das ein oder andere Scheinchen hofften und war deshalb ein bischen skeptisch, aber es zeigte sich, dass es eine gute Entscheidung war, sich ihnen anzuschließen. Sie zeigten uns Wasserbecken zwischen den Felsen, die früher mal das Flussbett gebildet haben, in die man vom Rand aus reinspringen konnte. Leider wird der Fluss nun zur Energiegewinnung durch einen Riesenstaudamm umgeleitet, wodurch der Wasserfall nur noch ein Fällchen ist, wenn es nicht geregnet hat.

unsere Guides
Jedenfalls planschten wir da stundenlang und guckten den Jungens beim Fangenspielen zu, bevor sie uns weiter zum Wasserfall geleiteten. Als die Belgier da waren hatte es gerade geregnet, wodurch eine ansehnliche Wassermenge den nicht 100 Meter, aber immerhin 50m hohen Felsen herabstürzte, bei uns kam gerade soviel herunter, dass man eine Dusche nehmen konnte. Ein weiteres Highlight waren die Algenschleimfelsenrutschen, die wir aber nur sehr vorsichtig ausprobiereten, da sie in ein offensichtlich stehendes Gewässer führten, dass komplett grün und ca. 40°C warm war. Wir konnten uns mit ein paar Brocken englisch, Händen und Füßen ganz gut verständigen und hatten auf jeden Fall wir Spaß mit den Kleenen, sodass wir ihnen am Ende wirklich ein bisschen Geld gaben.

der hohe Tad Sou (50 Meter?)
Da wir den ganzen Vormittag verbadet und verrutscht hatten, bestiegen wir unsere pinken Flitzer genau in der Mittagshitze, um uns zum oberen Ende von Tadsu aufzumachen. Anstrengenderweise führt die Straße aber in einem stetig steigenden Riesenbogen dorthin, sodass wir lange Strecken schieben mussten (ich sag nur Ein-Gang-Räder) und völlig ausgepowert und verdurstet endlich an einem Straßenstand ankamen. Die Familie dort hatte ihren Spaß daran, uns mit Wasser, Obst und einem Plätzchen im Schatten zu bewirten und sich über uns prustende, schwitzende Langnasen zu beeiern.
Die eine Hälfte unseres Vorrats an Litschi-ähnlichen Beeren kam uns dann leider auf mysteriöse Weise aus dem Fahrradkorb abhanden, während wir zu einem Aussichtspunkt unterwegs waren, die andere Hälfte teilten wir mit den nächsten Jungs, die sich uns oben am Wasserfall als Guides anbieten wollten. Die Aussicht war die Mühe auf jeden Fall wert, noch mehr freuten wir uns aber über die Felsenbassins, in denen wir uns abkühlen konnten. Dass der Heimweg im Abendrot bergab der reinste Spaziergang war, muss ich ja nicht erwähnen.

Aussicht vom Tad Sou: das Bolavèn Plateau
Leider „mussten“ wir nach drei Tagen schon weiter, wir wären gerne noch länger geblieben…