Wie gesagt, ist Muong Ngoi nur per Boot zu erreichen und so kletterten wir nach langem hin und her und mehreren „Fehlstarts“ in das schmale Longtailboot. Da es viel geregnet hatte, düsten wir durch die ein oder andere Stromschnelle und bewunderten das Panorama, während sich unsere Allerwertesten wegen der harten Holzbänkchen schon nach wenigen Minuten meldeten. So war die Fahrt zwar nett, aber nach 1 ½ Stunden war’s dann auch genug.

Omi und Enkel im Boot
Am „Pier“ in Muong Ngoi wurden wir direkt von Penny abgefangen, die uns die saubersten Bungalows und den besten Blick versprach. Das Zimmer sah dann auch einigermaßen spinnensicher aus und das Testliegen in den Hängematten auf dem Balkon mit Blick auf den Fluss und die wolkenverhangenen Berge am anderen Ufer überzeugten uns.

die Hauptstraße von Muong Ngoi Neua
Nach einer Regenpause erkundeten wir das Dörfchen und bummelten auf der Hauptstraße entlang. Diese war unbefestigt, aufgeweicht und voller Hunde, Hühner und Kinder und jedes Haus am Straßenrand war entweder ein Hostel, ein Restaurant oder ein Minisupermarkt. Uns wurde später erläutert, dass es so viele Kinder gibt, weil der Stromgenerator nur bis 22Uhr läuft und die Leute nicht durch Nebensächlichkeiten, wie Fernsehen oder vor dem PC hocken abgelenkt werden…
Beim Frühstück am nächsten morgen (nach einer insektenfreien Nacht) haben wir Silvia kennengelernt, die Italienerin ist, aber dank mehrerer Monate in Berlin fließend deutsch spricht. Gemeinsam machten wir uns auf die Wanderung zur Höhle und ins Hinterland. Das war zwar endlich mal eine größere Höhle, durch die auch ein Fluß floss, aber dafür musste man viel klettern und der Boden war sehr rutschig. Natürlich war wieder ich es, die beim Umherleuchten eine Riesenspinne wegrennen sah und daher inspizierte ich jeden Felsen, an dem ich mich festhalten wollte, ganz genau. Dabei fanden wir dann heraus, dass die Augen der Spinnen das Licht reflektieren und natürlich immer dort eine saß, wo ich mich festhalten wollte und eh alles voller blitzender Spinnenaugen war. Ich verlor schon ziemlich schnell die Lust weiter in der Höhle rumzukraxeln, weil ich Angst hatte, durch meine Spinnenpanik in einen Abgrund zu fallen. Nico nahm dann tatsächlich ein Vollbad vor der Höhle, obwohl das Wasser richtig kalt war und ich erspähte… natürlich eine große, giftige aber recht ansehnliche, gelb-schwarze Radspinne.

die ist sehr groooß und seeehr giftig!
Wir setzten unsere Wanderung fort und wollten, anstatt den Fluss zu durchwaten, gerade umkehren, als uns ein netter alter Mann von seinem Dorf erzählte, in dem es auch ein Restaurant (unser Lieblings-Stichwort!) geben sollte und das nur noch 15 (oder doch 50!?) Minuten entfernt war. Wir schlossen uns ihm an, verloren ihn aber inmitten der Reisfelder, da wir andauernd Fotopausen machten und er trotz seines Alters und des schweren Pakets über die schmalen, rutschigen Wege flitzte. So schlitterten wir barfuß durch die Reisfelder und es fehlte oft genug nicht viel und einer von uns hätte den Abgang in den Schlamm gemacht. Die fünfzehn Minuten waren natürlich längst vorbei und nachdem wir fälschlicherweise in einem Zwei-Hütten-Dorf gelandet waren und dort nicht schlecht bestaunt wurden, mussten wir uns schon langsam etwas ranhalten, um noch vor der Dämmerung wieder nach Muong Ngoi zu kommen. Un

zwei Grazien uff'm Feld vorm Berch
sere Silvia ließ sich davon aber leider weder beeindrucken noch antreiben und machte zusätzlich zu ihrem sowieso schon langsamen Tempo von jeder Blüte, Raupe und jedem Bach zig Fotos. Die Strecke war aber auch total schön; erst die Reisfelder, dann quer durch Bambuswälder, Flüsschen und Wasserbüffelherden, an steilen Felsklippen entlang und all das barfuß auf weichem Lehmboden. Umkehren wollte keiner von uns, aber Silvia bummelte leider trotzdem weiter und so mussten wir schließlich schon in Sichtweite von dem schönen, abgelegenen Dorf und trotz unserer knurrenden Mägen umkehren und den Heimweg antreten.

junger Reis
An unserem letzten Tag machten wir uns trotz meines Traumas mit frischem Mut und ohne Silvia auf zu zwei weiteren Höhlen. In die erste musste man auf dem Bauch hereinkriechen und sie hatte nicht viel zu bieten (bzw. hat mich Nico nicht darauf aufmerksam gemacht…), dafür führte die zweite kilometerweit in den Berg hinein. Da der Boden hier eben und trocken war, war es nicht ganz so unheimlich und ich konnte einen Bogen um die Spinnen machen. Komischerweise war alles voller Grillen und eigentlich hätten daher auch viel mehr Spinnen da sein müssen. Aber nee, immer mal was Neues und so bekamen wir beide fast die Krise, als wir auf den ersten riesigen Höhlen-Hundertfüßler stießen. Mit Beinen waren diese Viecher ca. so lang wie mein Unterarm und anstatt vor uns zu flüchten, rasten sie völlig planlos auf uns zu, da sie offenbar von unserem Licht geblendet waren. Weiter in der Höhle schreckten wir dann eine Fledermaus-Kolonie auf, was mich sehr begeisterte, denn sie flatterten uns buchstäblich um die Köpfe. So tief im Berg zu sein mit tonnenweise Gestein über unseren Köpfen war schon ziemlich beklemmend und ich kann mir nicht vorstellen, wie es für die Leute gewesen sein muss, die in diesen Höhlen gelebt haben, da sie sich vor den Amis verstecken mussten

Mega-Höhlen-Hundertfüßler
.
Natürlich waren auch Penny’s Bungalows nicht so ganz spinnenfest, aber scheinbar war ich inzwischen abgehärtet, denn ich schrie weder los, als ich die Spinne samt meiner Hose in der Hand hatte, noch als mir zwei Sekunden später eine weitere aus meinem Rucksack entgegen kam. Ich könnte auch auf diese ganzen minutiösen Beschreibungen der Spinnenereignisse verzichten, aber sie trugen maßgeblich dazu bei, dass wir uns beide schon sehr auf unseren nächsten Stopp in der Stadt Luang Prabang freuten. Außerdem wird wohl langsam klar, dass wir nicht sooo die Outdoor-Freaks sind, auch wenn man sich etwas an das Viehzeug gewöhnt, heißt das noch lange nicht, dass wir diese Mitbewohner/Eindringlinge ignorieren könnten.
Die Zeit in Muong Ngoi war richtig toll, weil ich mit den ganzen Wanderungen auf mein Kosten kam und da dort alles so entspannt und einfach zuging und man überall auf spektakuläre Landschaften und Aussichten stieß.