Mal wieder komme ich nicht drum herum, die Fahrt ausführlich zu beschreiben, denn zum ersten mal wurden wir mit der laotischen Reise-Mentalität konfrontiert.

Zu viert wollten wir mit dem ersten Bus um 8:30Uhr nach Nong Khieaw losdüsen, denn dort erwarteten uns Dschungel, Berge und ein Dorf, das nur per Boot zu erreichen ist.

Wir kamen kurz vor acht am Busbahnhof an und sahen gleich, dass bereits auf jedem Platz etwas lag, um die Besitzansprüche zu verdeutlichen. Es handelte sich hier nicht um einen „normal“ proportionierten Reisebus, sondern um eine Art Minibus mit ca. 25 regulären Sitzplätzen. Der enthusiastische Busfahrer nahm die Platzhalter dann einfach weg und wies uns an, uns hinzusetzen, was wir mit schlechtem Gewissen auch taten. Als es jedoch Zeit zur Abfahrt war, strömte eine Anzahl an Fahrgästen in den Bus, für die die 25 Plätze niemals zu reichen schienen. In den Mittelgang wurden Plastehocker (ohne Lehne) gequetscht und auf einer Art Podest hinter dem Fahrer nahmen noch vier Leute auf winzigen Holzbänkchen platz. Als sich dann aber noch eine Frau in Nicos Sitzbank quetschte, da sie dort wohl „reserviert“ hatte, wurde es uns doch zu bunt und Nico und ich kletterten wieder raus. Wir sorgten dann noch für eine leichte Verspätung, da wir unser Gepäck noch vom Dach des Busses klauben mussten. Dani und Dave ließen wir im Bus zurück, da sie einigermaßen akzeptable Plätze hatten.

Na ja, dann eben fünf Stunden auf den nächsten Bus warten… Die vergingen auch ziemlich fix und da wir diesmal auch Plätze reserviert hatten, machten wir uns da keine Sorgen. Mehr als eine Stunde vor Abfahrt gingen wir was essen und wunderten uns nicht schlecht, dass nach 15 Minuten unser Bus zur Abfahrt ausgerufen wurde. Also schlang ich meine Suppe runter, Nico ließ sich seinen Reis einpacken und wir jumpten zum Bus. Der fuhr dann auch tatsächlich erstaunlicherweise mit Verfrühung und war genauso voll wie der erste. Nur gut, dass wir unsere Plätze hatten! Es wurde trotzdem kuschelig, denn die Leute auf ihren Hockern in der Mitte saßen schon fast auf Nicos Schoß und von Beinfreiheit haben die Busdesigner wohl noch nüscht jehört.

Da sich die Straße teilweise noch im Bau befand, wurde so manche Zwangspause eingelegt, die dankbar zum Massenpinkeln und Stretchen genutzt wurde. Später erfuhren wir, dass die Chinesen für den Ausbau dieser Route verantwortlich sind, da sie sich so einen Handelsweg nach Bangkok schaffen wollen. Darum waren wir bisher auch stets von der Qualität der Straßen überrascht worden. Dankeschön dafür nach China!

Aufgrund der morgendlichen Verzögerung hatten wir uns eigentlich schon auf eine unfreiwillige Übernachtung in der als absolut Charme-frei bezeichneten Stadt Udomxai eingestellt, da wir den letzten Bus nach Nong Khieaw verpassen würden. Doch glücklicherweise wollten genug Leute aus unserem Bus auch in diese Richtung, sodass ein Minivan für den gleichen Preis, wie für den Bus fuhr. Auf dem runden, rot-umrandeten Aufkleber am Minivan stand etwas von 13 Personen, weswegen wir uns auf eine bequeme Fahrt einstellten. Nico und Cameron (ein Australier, der mit uns hergefahren war) setzten sich nach vorne zum Fahrer und ich in die zweite Reihe. Die Idee von Bequemlichkeit wurde schnell zunichte gemacht, als ich die Leute zählte, die sich zum Einsteigen um den Van versammelt hatten. Jawoll, es quetschten sich letztendlich 15 erwachsene Menschen auf 11 Sitzplätzen, die Jungs vorne nicht mitgezählt.

Leider waren die Chinesen mit ihrem Straßenprojekt noch nicht weiter als bis Udomxai vorgedrungen und so erlebten wir die Straßen in ihrem „Originalzustand“. Zu den Serpentinen, die sich durch bedschungelte Berge schlängeln und die Sitzfestigkeit auf unserer Dreierbank mit fünf Leuten arg strapazierten, kamen auch noch großzügige Schlaglöcher von den Ausmaßen (Durchmesser UND Tiefe) eines Kinderpools. Man Beachte: es handelte sich hier nicht um irgendeine verlassene Seitenstraße, sondern um die Hauptroute in Laos, die auch Richtung Hauptstadt führt! Fasziniert beobachteten wir einen doppelstöckigen VIP-Bus, der sich enorm schwankend seinen Weg um und durch die Krater bahnte und schworen uns, auf dieser Route nie einen Platz in dem oberen Stock zu buchen.

Gerade als ich dachte, mein Hintern behält bleibende Schäden vom Kauern zurück und wird nie wieder aufwachen und die Kraft in meinen Armen schwand, stieg zum Glück ein Pärchen aus. Das war die längste Stunde Autofahrt meines Lebens…

Dafür entschädigte uns der weitere Wegverlauf über ein hohes Gebirge mit spektakulären Ausblicken in die Täler und mit unzähligen Villages, in denen sämtliches Viehzeug (Wasserbüffel, Kühe, Pferde, Schweine und Geflügel) frei herumlief. Auch ein Schwertransporter beladen mit zwei Elefanten kam uns auf dem Bergkamm entgegen.

Am Abend kamen wir dann völlig geschafft, aber unglaublicherweise ohne Achsenbruch in Nong Khieaw an. Mal sehen, ob es Dani und Dave auch schon hergeschafft hatten…