Nach einer weiteren schweißtreibenden Zugfahrt wurden wir direkt am Bahnhof in Chumphon mit einem verlockenden Angebot geködert und in ein nahes Restaurant gelotzt. Die Aussicht, die fünf Stunden bis zum Ablegen der Nightferry auf geruhsame Art und Weise mit einer Dusche, Wi-Fi und einer Mahlzeit zu verbringen, ließ uns nicht lange zögern. Das Bier war dann auch gut, das Internet hat funktioniert und uns wurde später ein Taxi zur Fähre gerufen. ABER: die Dusche befand sich auf der Damentoilette, die alles andere als sauber war und man hatte eher den Eindruck, noch schmutziger zu werden, wenn man sich dort auszieht… Nichtsdestotrotz war es dann doch ein himmlisch erfrischendes Erlebnis. Das Essen war leider auch recht schlecht, in diesem Fall einfach komplett geschmacklos. Manchmal wird aus Rücksicht auf den westlichen Gaumen leider auf jegliche Gewürze (inkl. Pfeffer und Salz) verzichtet.

Abendrot in Chumphon (noch Festland)
Am Pier angekommen stellten wir dann fest, dass die Fähre doch teurer war, als von dem „Lockvogel“ versprochen und dachten, wir wären kräftig verarscht worden. Eigentlich wollten wir nämlich mit einem langsamen Boot fahren, bei dem man an Deck rumlungern und unter dem Sternenhimmel schlafen kann. Wir fragten zigmal nach diesem anderen Boot, sodass die Leute schon langsam ungehalten wurden. „No other boat“ war die beharrliche Antwort. Allen voran fing dann ein kleiner, zappeliger Typ mit dem Aussehen und der Aura eines Zuhälters oder Boxmanagers an, uns ganz schön zu bedrängen. „You say, I lie?!“ und seine wütend-bedrohliche Annäherung trieb uns dann ganz flux auf’s Schiff. Später erörterte Nico mit dem „Aggro-Männchen“ dann doch noch das Missverständnis, während ich die ganze Zeit dachte, die sind um die Ecke gegangen, um das zu klären, wie echte Männer. Das andere, günstigere Schiff fährt nicht jede Nacht, so einfach war die janze Jeschichte. Die Reise in dem klimatisierten Massenschlafraum war dann erstaunlich angenehm und ich sach euch eins: man kann direkt über einem Schiffsmotor ganz vorzüglich schlummern.
Die Ankunft um 5Uhr auf Koh Tao (Turtle Island) ließ sich dann leider nicht verschlafen, da alle 30 Mitschläfer herumwuselten und schon an Land waren, bevor ich überhaupt den Kopf vom Kissen lösen konnte. Was für eine Uhrzeit!
Nach einigem hin und her haben wir uns dann zum Freedom Beach fahren lassen, wo wir weitere drei Stunden auf die Rezeptionsöffnung warten durften. Auf diese Weise habe ich auch den ersten Regen in Thailand erlebt.

Freedom Beach in the morning
Obwohl der Strand dort postkartenmäßig schön und leer war, sind wir nur eine Nacht geblieben und haben uns des Nächtens auf die Terasse von einer der teuren Behausungen geschlichen, um dort das Gewitter am Horizont zu bestaunen, da unsere eigenen Bungalows zwar sauber, aber wenig heimelig waren.
Ich hab all meinen Mut zusammengenommen und mich trotz meiner traumatischen Erinnerungen auf ein Moped geschwungen. Hat auch erstaunlich gut geklappt, obwohl die Straßen auf Koh Tao diese Bezeichnung in den seltensten Fällen verdienen. Die Jungens haben fein auf mich acht gegeben und sich meinem Tempo („damals“ noch so ca. 30kmh) angepasst. So konnten wir die Mini-Insel gut und vor allem günstig erkunden und fanden auch Roberts Geburtstags-Location: Hin Wong= eine einsame Bucht mit nur einem Bungalow-Vermieter, einem Restaurant, einer gechillten Bar, Strom nur von 18Uhr bis 6Uhr und guten Schnorchel-Verhältnissen. Die Fotos sprechen für sich, es ist so schwierig, dieses Panorama zu beschreiben.

Hin Wong - Hin und Weg!
Die ganze Anlage wurde leider von den Regenfällen und der Strumflut im März stark verwüstet und befand sich noch im Wiederaufbau (allet recht jemächlich, biddeschön!), sodass die „Straße“, die ohnehin schon nur unter Aufbietung allen Mutes zu bestreiten war, tageweise komplett unbefahrbar war, weil sie neu betoniert wurde. Egal, wir wollten ja eh nicht weg!
Robert musste uns an seinem Geburtstag Visa-technisch leider verlassen und wir zwei sind in ein kleineres Bungalow umgezogen, wo wir vom Kopfkissen aus den Sonnenaufgang sehen konnten.
Dort sind wir dann auch endlich einige Tage länger geblieben, was sehr entspannend und angenehm war. Unsere Gesellschaft bestand aus Whitey, einem rosanasigen Leibwächter, der uns die olle Hundemeute vom Hacken hielt, einem großen und vor allem lauten Gecko und meiner ersten handtellergoßen Spinne (allet fotografisch festgehalten unter „Tiere“). Ich bin gar nicht mal so sehr ausgerastet, das kam spinnenbezogen erst einige Tage später…

DAS war die erste... HANDTELLERGROß!!!
Koh Tao ist die kleinste von den „drei Kohs“ im thailändischen Golf und startet gerade senkrecht in eine zweifelhafte Touristen-Traumziel-Karriere. Man findet praktisch nur westlich angepasste Restaurants und Bars, aber gar keine Märkte. Wieso soll ich beim Italiener Pizza essen (für den vierfachen Preis!) und danach in einen Irish Pub gehen, wenn ich auf einer thailändischen Insel bin?! Und sie tun es alle, die anderen Touris!
Ich hab noch nicht viele Vergleichmöglichkeiten, aber die wenigen einsamen Ecken von Koh Tao sind schon traumhaft schön und jetzt in der low-season angenehm einsam.
Whitey und das Panorama