Mae Salong liegt schon etwas ab vom Schuss, ist aber dank lonely planet bei Backpackern und dank der Teeplantagen und dort angesiedelter Chinesen relativ bekannt. Dank eines Fehlers in unserer Reisebibel und um die Transportkosten zu senken, warteten wir einerseits an der falschen Stelle und andererseits ziemlich lange, bis ein französisches Pärchen auftauchte und sich das Songthaew mit uns teilte. Die gut asphaltierten, aber steilen Straßen machten es dem Vehikel schwer, das Bergdorf zu erreichen und oft genug hatte man den Eindruck, dass es gleich rückwärts wieder bergab ging. Ein zugestiegener alter Mann machte uns dann auch gleich mit der befremdlichen Angewohnheit der Chinesen und Bergbewohner bekannt, in ein gurgelnd-sprotzendes Gehuste und Gerotze auszubrechen, deren Krönung das Ausspucken von Ich-will’s-nicht-wissen-was-und-hab’s-zum-Glück-nie-gesehen bildet. Dieses sphärische Geräusche erklang von da an aus allen Ecken und war nicht nur Männern/ Erwachsenen vorbehalten, sondern erklang auch von niedlichen, hübschen Mädchen.
Wir bezogen ein geräumiges, buntes Bungalow und jeder sein eigenes Doppelbett, wunderten uns noch über die dicken Bettdecken und kiekten uns erstmal das Örtchen an. An sich nicht besonders hübsch (Beton-Villen neben Holzhütten), aber in wunderschöner Lage zwischen Teeplantagen in den thailändischen „Bergen“, wird es auch little Switzerland genannt. Die Leute begegnen einem gleich ganz anders, als im echten Thailand: die Kids freuen sich, wenn sie sich trauen, einem „Hello!“ oder fälschlicherweise „Bye, bye!“ zur Begrüßung zuzurufen, statt um’s große Geschäft dreht es sich eher um Gemütlichkeit und Plauderei. Viele verschiedene hill tribes (Berg-Stämme) leben in der Umgebung, deren buntgewandete Mitglieder arbeiten auf den Teeplantagen und kommen zum Ein- und Verkaufen auf den Markt.
In dieser nördlichen Region Thailands leben viele Chinesen, deren Vorfahren ursprünglich den Kuomintang (einer chinesischen Armee) angehörten und nach vielen Jahren der Flucht und des nomadischen Lebens von der thailändischen Regierung die Staatsbürgerschaft erhielten, wenn sie im Gegenzug das Überschwappen des Kommunismus aus dem nahen Myanmar bekämpften. Trotzdem gelang es der Regierung erst vor ca. 20 Jahren, diese abgekapselte Region zu befrieden und die Chinesen dazu zu bringen, statt Opium Tee und Obst anzupflanzen. Durch das grandiose Bergklima, die chinesischen Schilder überall und die entspannten Menschen hat man auf jeden Fall nicht das Gefühl, noch in Thailand zu sein.
Wieder stellte sich ein gemächlicher Tagesrhythmus ein; vormittags eine zwei- bis dreistündige Wanderung und nachmittags lesen und Berichte schreiben. Dazwischen Gratistee trinken, Schach spielen und essen. Das Essen in den Restaurants war leider der einzige Wermutstropfen, denn es war eigenartige, chinesich-westliche, recht geschmacklose Mischung aus Gemüse und Fleisch. Der Morning-Market fand morgens von 6-8 Uhr direkt um die Ecke statt und wir entdeckten einerseits die frühstückstauglichen sticky rice Kombinationen mit Kokosraspeln bzw. Banane und leckere Gerichte, die wir uns bis zum Mittagessen in Plastiktüten (hier ganz normal, gibt auch Eiskafee und Co in Plastetüten) aufhoben. So stiefelte ich jeden Morgen gegen 7 Uhr los zum sticky rice-Stand und die Besitzer freuten sich über meinen Appetit. Als ich einmal spät dran war und die Kokosnussraspeln alle waren, schenkten sie mir ihren ganzen Rest süßen, schwarzen sticky rice, total unthailändisch! Meistens gingen wir nach dem shoppen nochmal in die Falle…
Über die dicken Decken waren wir schon am ersten Abend froh, denn nachts wurde es traumhaft kühl, sodass man sich richtig einkuscheln konnte. Auch musste man sich Socken und Pullover anziehen, was wir nach der ganzen Schwitzerei richtig genossen! Die Regenzeit machte sich auch hier bemerkbar, die Schauer beschränkten sich aber größtenteils auf den Abend und die Nacht und so gerieten wir nur zweimal tagsüber beim Wandern in kurzen Regen. Mit den durch Gewitter hervorgerufenen kurzen Stromausfällen konnte man prima Leben und das erstaunlich verlässlich funktionierende Internet bescherte uns viele Stunden „Arbeit“ an unserem Blog.
Im Bad hatte es sich eines Morgens eine etwas stabilere Spinne gemütlich gemacht, die eher giftig aussah, mir aber paradoxerweise gar keine Angst machte. Die mit den dicken, behaarten Beinen sind nicht so schlimm, wenn sie mich nicht überraschen, weil sie nicht so schnell sind. Vogelspinnen und Taranteln finde ich auch nicht so eklig, aber das gilt natürlich nur für ein Zusammentreffen mit Glas dazwischen!
Unsere Wanderungen führten uns durch viele kleine Dörfer, manche waren sehr gepflegt und bestanden aus schönen Bambushäusern auf Stelzen mit Gärten, andere waren sehr ärmlich und die Bambushütten sahen instabil und undicht aus. Am schlimmsten waren aber die Behausungen dicht am Hauptort, denn oft bestanden sie aus langgestreckten Betongaragen, die keine Fenster besaßen und waren verdreckt und sehr ärmlich. Mit den Dorfhunden hatten wir einmal unsere liebe Not, denn sie wollten uns nicht unbedingt dahaben und fingen an, uns einzukreisen. Dank der Dorfbewohner kamen wir aber mit heiler Haut davon. Fast… denn Nico fand an seinem Fuß einen kleinen, dicken Blutegel, den er aber zum Glück samt Socke einfach abstreifen konnte. Bisher sind keine Nachwirkungen von diesem Angriff aufgetreten. Die tolle Landschaft bestand aus den Plantagen, Reisterrassen, dschungelartigen Wäldern und hielt uns mit den vielen Hügeln ganz schön auf Trab. Die einzigen nennenswerten Begegnungen waren der schwarze, junge Labrador, der uns zwei Stunden lang begleitete und ein Junge, der uns unbedingt zur Straße bringen wollte und meinte, wir können/sollen/dürfen den Weg nicht weitergehen. Außerdem trafen wir den Australier David und seine deutsche Frau Dani, mit denen wir auch nach Laos aufbrachen.