Die Zugfahrt verging schneller und bequemer als befürchtet und es gab sogar einen Boardservice, der inklusive und nicht vergleichbar mit den „Restaurants“ der Deutschen Bahn war.
Von den Reisanbaugebieten in Zentral-Thailand gelangten wir in hügelige Dschungellandschaften und schließlich Abends nach Chiang Mai, wo wir uns mit anderen Farangs ein Songthaew in die Altstadt teilten. Das Guesthouse, in dem wir landeten, wurde von diversen Travelguides empfohlen, hat mir persönlich aber nicht sooo gut gefallen. Mit einem neuen Anstrich und renovierten Bädern hätte ich mich richtig wohl gefühlt, aber es war auch so okay. Man ist ja nicht (mehr) wählerisch und auch die Abneigung Kakerlaken gegenüber hat sich relativiert, solange sie einen Sicherheitsabstand einhalten (und das tun sie eigentlich immer)!
Wir haben viel Zeit am Netbook verbracht, das Essen, sowie frische Mangoshakes genossen und die Altstadt erkundet. Dort befinden sich viele Wats (Tempelanlagen), von denen wir uns jedoch nur zwei ansahen. In einem /um einen herum war gerade ein Fest, bei dem es auch zahllose Stände mit verschiedenen Gerichten gab. Von Pommes über Maronen bis hin zu gerösteten Maden und Käfern (ca. 5-7 cm) gab es viele lukullische Genüsse. Erst wollte ich die Maden probieren, aber ich habe es mir „aufgehoben“ denn vielleicht geraten wir ja mal in eine Lage, wo es wirklich nichts anderes zu Essen gibt. Sie sehen gar nicht sehr eklig aus und wenn man die Pommes daneben sieht… Im zweiten Wat finden Straßenköter und Streunekatzen eine Unterkunft und werden dort auch gefüttert.

Wat in Chiang Mai, das Glockenläuten gehört zu den buddhistischen Ritualen
Sämtliche Versuche, über die Walkingstreets (an bestimmten Tagen für den Markt gesperrte Straßen) zu bummeln und vielleicht ein Silberschmuck-Schnäppchen zu ergattern, wurden durch herannahende Gewitter vereitelt, da wir uns auch blöderweise erst gen Abend dorthin begaben.
Für einen Tag liehen wir uns ein Moped aus und fuhren in die nahen Berge zur königlichen Winterresidenz und dem berühmten Wat Phra That Doi Suthep. Auch in Chiang Mai ist der Verkehr unerträglich und so erlebten wir auf der Bergstraße gleich ein doppeltes Wunder: frische Luft und kühle Temperaturen (man munkelt, Nico hätte gar gefroren!)! Nach mehr als fünf Wochen anhaltenden Schweißattacken war das so ein wunderbares, erleichterndes Erlebnis, dass wir unbedingt noch weitere Tage in den thailändischen Bergen verbringen wollten. Zuerst sahen wir uns die Winterresidenz an, die so etwas wie ein botanischer Garten ist. Um hinein zu dürfen, musste ich meine unzüchtig entblößten Schultern mit einem Miet-Leibchen bedecken, denn wie sonst nur einen Schal umzuwickeln, reichte hi

wir in der königlichen Winterresidenz
er nicht.
Das Wahrzeichen von Chiang Mai, der Wat Phra That Doi Suthep, ist eine buddhistische Tempelanlage und bekannt für seine vergoldete Chedi und den Wandelgang drumherum. Wenn man das Innere einer Tempelanlage betritt, muss man seine Schuhe ausziehen und ich fühle mich zwischen all den Betenden mit ihren Blumen und Räucherstäbchen oft wie ein Eindringling. Die Stimmung dort ist ganz anders als in einer europäischen Kirche, wo man sich eher klein und verlassen vorkommt und sich von alleine ganz ruhig verhält. In einem Wat herrscht zumindest an den Wochenenden oder Feiertagen eher Jahrmarktsstimmung oder es ist ganz still und bis auf die Mönche verlassen. In beiden Fällen ist es aber ein Ort, an dem man sich entspannen, verschnaufen und besinnen kann und nicht so einen düsteren Respekt empfindet, wie in einer Kirche. Die Besucher, die ja selbst größtenteils Buddhisten sind, schnattern dort herum, machen Fotos, zahlen ihre Spenden, führen die Rituale aus und beten auch. Insgesamt wirkt es eher wie ein fröhlicher Familienausflug, als eine Andacht.

Wat Phra That Doi Suthep, die vergoldete Chedi
Nach unserem Ausflug aßen wir in einem Restaurant, dass wir zuvor entdeckt hatten und bestellten von allem ein bisschen, unter anderem die berühmte Wurst und in Palmblättern gedünstetes Schweinehirn mit Kräutern. Das Hirn hatte die Konsistenz und Farbe von Rührei und praktisch keinen Eigengeschmack. Also no big deal, durchaus lecker und garantiert BSE-frei!

Nico und der gedeckte Tisch: rechts im Bild die Wurst, für die Chiang Mai berühmt ist und schräg darüber das Schweinehirn
Gen späten Nachmittag fuhren wir dann zu der zweiten, großen Walking Street, wo uns als ein Highlight ein E-Gitarre spielender, singender Verkehrspolizist erwartete, der mit seiner Darbietung irgendwelche Spenden sammelte, die Schilder waren leider nur in Thai.

Benefizkonzert vom Verkehrspolizisten auf dem Markt
Knapp nach der Hälfte des Weges wurde es schlagartig stürmisch und dunkel und begann zu grollen. Ich muss mich nun hier leider offenbaren: ich hasse Gewitter, wenn ich draußen bin! Nicht, weil ich Angst vor den Blitzen oder Blitzeinschlägen habe, sondern einfach, weil mir das Gedonnere zu laut ist. So fiel auch unsere erste Idee, das Gewitter einfach während einer Massage abzusitzen, aus, denn das wäre ganz sicher nicht entspannend gewesen. So verdrückten wir uns fix in ein nahes Café, vor dem auch unser Moped stand. Obwohl es noch nicht regnete, wollte ich mich in dem Geblitze nicht in den Chiang Mai-er Verkehr stürzen und lieber die kurze Husche abwarten. Ich kann mir durchaus vorstellen, in einer solchen Situation (also in einem Gewitter) vor Schreck einfach vom Moped zu springen und das wollte ich vermeiden. … zwei Stunden, einen Café Latte und diverse gratis-Tees später (also gegen 21 Uhr) hatte die „Husche“ kein bisschen an Intensität verloren und die Blitze zuckten immer noch umher. Phänomenalerweise donnerte es aber kaum. Da ich den Eindruck hatte, dass die netten Besitzer mal langsam Feierabend machen wollten, zwang ich mich doch auf’s Teufelsgefährt. Barfuß und mit hochgekrempelten Hosen pflügten wir uns den Weg durch die Fluten und den Verkehr. Die Autos fuhren total rücksichtsvoll und vorsichtig, was die Tour schon mal erleichterte. Was das ganze jedoch erschwerte und dann doch unangenehm gestaltete, war !siehe da!, dass es nun doch kräftig genau über uns zu donnern begann. Ich weiß nicht, wer heldenhafter war: ich, weil ich nicht absprang, oder Nico, weil er wusste, dass das möglich war und mich trotzdem mitnahm und uns besonnen und wohlbehalten nach Hause fuhr.

der erste lange Regen in Chaing Mai und wir mittendrin
So erlebten wir den ersten ANHALTENDEN Regen und lernten endgültig, immer Regenschirme und Plastiktüten dabei zu haben, um alles wasserdicht zu verpacken.