Zu dem Guesthouse mit dem grooßen Zimmer in Ao Nang gehörte auch eine Travel Agency, bei der wir schon vor unserem Aufbruch nach Railay eine 1. Klasse Busfahrt nach Bangkok für 600 Bhat p.P. gebucht hatten. In Railay bekamen wir dann mit, dass diese Reise INKLUSIVE der Überfahrt mit dem Boot von Railay aus nur 450 Bhat kosten sollte, also pro Ticket 250 Bhat weniger. Da das die Kosten für eine Übernachtung waren, fanden wir das nicht so witzig, hatten aber leider schon im Voraus bezahlt.
Wir wurden bereits mit einer Stunde Verspätung bei der Travel Agency abgeholt und fuhren mit halsbrecherischem Tempo im Songthaew zum Bahnhof. Dachten wir! Stattdessen tauschten wir irgendwo in Krabi unsere Tickets gegen andere, trugen uns in irgendeine Liste ein und stiegen in einen Minibus, der samt Gepäck gerammelt voll war. Unsere beiden „lustigen“ Fahrer hatten es dann auch gar nicht eilig, fuhren in Schlangenlinien durch ganz Krabi, um bei allen möglichen Travel Agencies Geld abzugreifen und sich ein Bierchen zu genehmigen (das tranken sie dann netterweise während der weiteren Irrfahrt). Sie sorgten dann auch dafür, dass der Grundstein für eine Massenverwirrung gelegt wurde, indem sie uns erzählten, wir müssten auf dem Weg nach Bangkok in Surat Thani warten und den Bus wechseln. Schon da widersprachen wir, denn alle in diesem Minibus hatten eine erste Klasse NON-STOP-Fahrt gebucht und vor allem bezahlt. Eine Mitreisende thailändische Dame hat das dann für die beiden übersetzt und sie schienen überrascht und nun etwas in Eile zu sein.
Der Minibus schmiss uns dann an einem Songserm-Terminal (Songserm ist DER große, private Reiseveranstalter) mitten im Nirgendwo raus, wo noch andere Reisende warteten. Wir wurden dann gebeten, unser Ticket erneut einzutauschen und fragten das Mädel am Schreibtisch, wie das denn nun mit dem Bus wäre und erzählten, dass wir alle eine Non-Stop-Tour gebucht hatten. Wir waren durch die Ticket-Tauscherei, den Autowechsel und die Irrfahrt alle etwas verwirrt. Auch sie sagte, dass wir in Surat Thani halten würden. Ein Argentinier beschwerte sich dann bei ihr, dass er am nächsten Tag in Bangkok sein müsse und extra mehr bezahlt hätte und da klatschte es! Einer der Mitarbeiter war aufgestanden, hingegangen und hatte ihm eine saftige Backpfeife mitten ins Gesicht gegeben! Dann kam er auch noch drohend hinter seinem Schreibtisch vor und wollte noch weiter auf den Argentinier losgehen, der erstaunlicherweise sehr ruhig blieb bzw. einfach nur perplex war. Wir waren alle absolut geschockt und versuchten, den Thai zu beruhigen und wegzudrängen. Nico hat in unserer Travel Angency angerufen, den Vorfall erklärt und die Mitarbeiterin von Songserm ans Telefon geholt, um die Situation mit der Chefin der Travel Angecy zu klären. Die thailändische Dame aus dem Bus versuchte auch zu vermitteln, als auch noch ein zweiter Songserm-Mitarbeiter ankam und mit vor Wut verzogenem Gesicht auf den immer noch geschockten, aber ruhigen Argentinier loszugehen begann. Wieder schmissen sich Mitreisende dazwischen und da die Situation weiter zu eskalieren drohte, wurde unsere gesamte Gruppe schnell in den Bus gesetzt.
In Thailand ist der Kopf als höchster Punkt des Körpers auch der heiligste Punkt und man darf NIEMALS jemanden am Kopf auch nur berühren. Weiterhin führt laut werden oder aufzuhören zu lächeln, sowie streiten dazu, sein Gesicht zu verlieren.
Dass dieser Typ mit einem Job im Tourismus und in direktem Kundenkontakt derartig ausflippt, weil man nachfragt und sich beschwert, ist einfach unfassbar! Keiner von uns hat diesen Ausbruch kommen sehen und der Grund bleibt unklar. Ein Erklärungsversuch war, dass der Argentinier meinte „Fuck, I have to be in Bangkok tomorrow!“ und das fuck den Typ zum Durchdrehen gebracht hat… Ist das ein Grund?
Wir haben keine Ahnung, wie viele Missverständnisse und Verarschungen von Seiten der Travel Agencies da zusammenkamen, aber dass so etwas nicht passieren darf ist jawohl klar! Es hätte wenig gebracht, die Polizei zu rufen, denn die können kein englisch und was gilt schon das Wort von ein paar aufgescheuchten Backpackern?! Zum Glück ist der Argentinier so ruhig geblieben, zum Glück konnten wir die Thais zurückhalten und zum Glück hat die Thai-Dame zumindest versucht, zu vermitteln!
Wir werden auf jeden Fall nicht mehr mit Songserm reisen und werden auch versuchen, bei Travel Agencies sehr kritsich zu sein und uns auf einer Karte die Route mit sämtlichen Stopps vorher zeigen zu lassen!
Der Bus hielt dann unterwegs in Surat Thani wieder in einem absolut abgelegenen Winkel (natürlich ein weiteres Songserm-“Terminal“), wo man überteuertes Essen und den Gang auf’s Klo kaufen durfte und 30 Minuten Aufenthalt in mitten von Moskito-Schwärmen und räudigen Straßenkötern genießen konnte. Ich konnte auf der 12-stündigen Übernacht-Busfahrt kein Auge zu tun, in den letzten drei Stunden fing die Toilette im Bus so erbärmlich an, nach Pisse zu stinken, dass es ungelogen in der Nase gestochen hat. Der Bus kam dann auch in Bangkok an einer ganz anderen Stelle an, als von der Travel Agency vorausgesagt, was uns weiter darin bestätigte, dass wir zwar einen teuren Bus bezahlt haben, aber in einem billigen gelandet waren.
Man steht diesen Situationen völlig machtlos und vor allem sprachlos gegenüber, denn plötzlich kann auch niemand mehr englisch. Man versucht, sich zurecht zu finden, man erwartet Hilfe und einen vernünftigen Ablauf, wenn man in einer Agency bucht, denn die bekommen ja auch noch eine Kommission.
Das Land des Lächelns??? Davon habe ich noch nicht so viel gemerkt. Im Gegenteil haben mich viele Kleinigkeiten und Ereignisse, wie diese Backpfeifen-Story, sehr kritisch gegenüber diesem Land gemacht. Oftmals sehe ich nur die Dollarzeichen in den Augen der Leute, wenn sie uns sehen und das Erlöschen jeglicher Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, wenn sie merken, dass wir eher low budget-Urlauber sind und nicht das große Geld bringen. Das finde ich sehr traurig und ich hoffe sehr, dass es im Norden ein bisschen anders wird!