Mit dem Speedboat erreichten wir von Koh Tao aus in ca 1 ½ Std. den nächstgrößeren Inselbruder Koh Phangan und schwangen uns direkt am Hafen samt Gepäck auf die Mofas, um eine Unterkunft zu suchen.

Bikerboss - trotz Helm viiiel Style!

Bikerboss - trotz Helm viiiel Style!

Bikerbraut - yooo: ohne Helm, kein Style!

Bikerbraut - yooo: ohne Helm, kein Style!

Natürlich sind wir schön langsam und vorsichtig gefahren, was dann auch dazu beitrug, dass wir das erstbeste Bungalow nahmen, denn es drohte ein Gewitter. „Lee’s Garden“ ist ein schönes Grundstück direkt am Strand mit einem gemütlichen Restaurant/ Bar-Holzgebilde, bei dem man unter dem Dach liegen und auf’s Meer schauen kann. Die Bungalows waren eher bescheiden, leider bekam ich diesmal die noch nicht bezogene Matratze zu Gesicht, die nicht nur aussah, wie 30 Jahre tropischer Männerschweiß, sondern auch so roch. Dafür gab es zum ersten mal einen Schrank, was mich sehr in Verzückung brachte. All das wäre ja noch auszuhalten gewesen und auch die erste Spinne (Modell Koh Tao) ließ mich meine gute Laune noch nicht verlieren. Als ich aber kurz vorm Lichtausmachen ihre große Schwester beim Verspeisen einer weiteren Schwester direkt über dem Bett (keine 30 cm von meinem Kopf entfernt) erblickte, war es doch um meine Fassung geschehen. Trotz Moskitonetz und der Gewissheit, dass keins der Viecher mich des nachts anfallen kann, führte die Mischung aus Gestank und Spinnenfurcht dazu, dass ich kaum ein Auge zutat, da ich damit beschäftigt war, bloß nicht dass Netz zu berühren. So verbrachte ich die Nacht zusammen gekrümmt und fluchend im Gemüffel und war heilfroh, als es endlich dämmerte. Bis auf die Müdigkeit und die schizophrene Angst, die Spinnen könnten es sich in einem meiner Rucksäcke bequem gemacht haben, hatte ich es überstanden!

Sofort tuckerten wir los, um uns weitere Unterkünfte anzusehen. Schon von der nächstgelegenen Möglichkeit war ich restlos begeistert! Nicht nur, dass wir ein rundes Steinhäuschen (die Stein- oder Holzbauweise hat unmittelbare Auswirkungen auf die Insektenfreundlichkeit der Behausung, ratet was mir besser gefällt!) auf dem Strand angeboten bekamen und es einen Pool gab, nein, es gab auch fünf winzige Welpen, die DAS ausschlaggebende Argument waren.

ooooooh, allersüßestens!

ooooooh, allersüßestens!

Auf Koh Phangan bekam wir die Vor- und Nachteile der low season zuerst zu spüren. Vorteile: alle Preise sind besser verhandelbar, leere Strände und Straßen, teilweise waren wir die einzigen Gäste (wofür man auch manchmal fast ein schlechtes Gewissen hatte). Andererseits, und das ist eigentlich der einzige Nachteil, bekommt man das berühmte „Solly, no hep.“ (= Sorry, no have = jibt’s nich!) bei jeder Essensbestellung zu hören. Da war es manchmal leichter, danach zu fragen, was es denn überhaupt gäbe.

Über die Welpen und die nette Eigentümerin vergaß ich die Spinnen natürlich recht fix und nach einem leckeren Thai-Frühstück, samt vor meinen Augen geernteter Kokosnuss, schwangen wir uns auf die Mofas um eine Dschungel-Wasserfall-Strand-Tour zu machen.

Wie ich so auf meinem Moped saß kam mir auch gleich das passende Lied in den Kopf „Die Kirsi fährt im Dschungel nackt Motorrad…“. Na gut, ich hatte was an, aber nicht gerade das, was man unter geeigneter Motorrad-Kleidung versteht und naaaa gut, es war nur ein Moped, keen Motorrad… Ich fand mich dann auch ziemlich patent, als ich so über die dirtroads cruiste und mir Nico nur einmal über eine schwierige Stelle helfen musste. Wir sahen das erste Elefantencamp, hielten uns aber fern davon, denn das kann man in den seltensten Fällen mit gutem Gewissen unterstützen! Bei diversen Wasserfällen (bzw. bei genau einem an diversen Stellen) machten wir halt, genossen den Anblick zwar schon, fragten uns aber auch, wieso die Thais so ein Gewese darum machten… Einmal überraschten wir ein paar junge Damen, wie sie für semi-erotische Fotos posten (hier im Bikini, aber sonst gehen Thaifrauen ausschließlich in kurzen Hosen und T-Shirts baden!).

Viewpoint auf der Moped-Dschungel-Strand-Tour

Viewpoint auf der Moped-Dschungel-Strand-Tour

Ein zauberhafter viewpoint und ein wunderschöner Strand rundeten unseren Ausflug dann ab. Letzte Station war nach einem Ortsbummel der local foodmarket, wo wir zum ersten mal so scharfes Essen erwischten, dass es fast unerträglich war. Ein Kakao aus dem 7/11 musste her, um den Brand zu löschen und unser Mahl beendeten wir dann so: ein Löffel Essen, ein Schluck Kakao usw…

Am nächsten Tag machten wir uns zwecks körperlicher Ertüchtigung auf den Weg nach Haad Rin, wo auch die berüchtigten Fullmoon-Parties stattfinden. Auf unserem Weg zum viewpoint stießen wir auf einen weiteren Nachteil der low season: die Dschungelpfade waren nicht freigehauen und die Wegmarken nur zu erahnen. Nur mit Flipflops an den Füßen und mit kurzen Hosen durch das Dschungeldickicht zu marschieren hat seinen ganz eigenen Reiz: man weiß nie, was für ein Insekt einen gerade als Transportmittel oder Nahrungsquelle missbraucht. Von den giftigen, roten Hundertfüßlern sahen wir zum Glück nur ein totes Exemplar und außer von Moskitoschwärmen blieben wir sonst unbehelligt. Anstatt den erwarteten viewpoint nach wenigen 100 Metern zu erreichen, drangen wir immer weiter in den Dschungel vor und überlegten hin und wieder, umzukehren. Habe ich schon erwähnt, dass es die ganze Zeit mehr kletternd als laufend bergauf ging? Das haben diese berüchtigten viewpoints so an sich: sie sind weit oben, damit man was zum view-en hat. Bergauf ist wandertechnisch meistens die angenehmere und leichtere (wenn auch anstrengendere) Richtung und so bangten wir dem Abstieg schon etwas entgegen. Wir fanden dann doch noch einen viewpoint, der uns zwar für die Mühe entschädigte, von dem aus wir aber auch die eher große Entfernung zum Strand und damit zum Ende der Wanderung erspähten.

Viewpoint Haad Rin -so weit noch bis zum Strand...

Viewpoint Haad Rin -so weit noch bis zum Strand...

Der Abstieg verlief mehr schlitternd als gehend und endlich verstehe ich, wieso Tarzans bevorzugte Fortbewegungsweise das Lianenschwingen ist! Man muss dabei auch gar nicht schreien, das geht auch ohne.

Am Strand blieb uns nur Zeit für ein fixes Dschungelschweiß-Abspülen und Umgebung-Genießen, bevor wir das Boot zurück nach Haad Rin nahmen, wo wir uns schnell auf die Mopeds schwangen. Mit der Androhung eines nahenden Gewitters brach ich alle Geschwindigkeits-Rekorde und erhöhte meine persönliche Moped-Toleranz-Grenze auf 60km/h.

Den ersten und einzigen Sonnenbrand holte ich mir an diesem und dem folgenden Tag, wo wir den Rest der Insel erkundeten und unsere nächste Unterkunft fanden. Beim Mopedfahren sind es nämlich die Oberschenkel, die unbemerkt den lieben, langen Tag in der Sonne brutzeln. War aber mit doppelt After sun-Creme halb so wild!

Bei Joon’s bungalows hatten wir ein orangenes Hüttchen, das wir mit einer Ratte teilten und einen fast privaten Sonnenuntergangs-Strand. Die Ratte sah ich nur einmal davonhuschen, sie hat an meinen Süßigkeiten geknabbert und einmal ins Bett geköttelt, hielt sich aber ansonsten im Hintergrund.

Joon's orangenes Bungalow

Joon's orangenes Bungalow

Unsere Mopeds hatten wir zurückgegeben und so bestanden die drei Tage dort aus viiiel Schlaf, lesen, Berichte schreiben, weiteren Mahlzeiten auf dem local foodmarket und Abendunterhaltung entweder durch Joon selbst (als Djane) oder einen Abend durch ein „Konzert“ von Moscow Fish. Das sind ein Mann und eine Frau (Beziehungsstatus ungeklärt), die so völlig unhip aussehen wie die Eltern des besten Freundes (und auch so alt sind), aber umso hippere Mucke machen. Mal live-Trance-Electro mit PC, Gesang und E-Gitarre (u. A. vergleichbar mit Portishead), mal selbstgeschriebene Gitarrenmusike. Und zwischendurch wurde gemeinsam getrunken. Ein genialer Abend, bei dem ich Pina Colada mit Wodka statt Rum zu meinem Lieblingsgetränk erkor (und am nächsten Tag erstaunlicherweise trotzdem mal wieder OHNE den erwarteten Kater aufwachte).

Koh Phangan ist die schönste von den drei Kohs, weil sie größer und leichter zu erkunden ist, als Koh Tao, weil für jeden Geschmack etwas dabei ist (Dschungeltouren, einsame Strände, Luxushotels, günstige Bungalows direkt am Strand und tausend Freizeitaktivitäten) und weil sie neben den üblichen Touri-Anpassungen auch noch viel Originalität zu bieten hat.

Badenixen?!

Badenixen?!