Wiedermal kurzfristig suchte ich eine Arbeits- und Wohngelegenheit mit Pferden und wiedermal klappte es ganz spontan.
Das irisch-neuseeländische Pärchen Hayley und Richie hat eine riesige Milchfarm mit sage und schreibe 720 Milchkühen, die zweimal täglich gemolken werden, was jeweils ca. 4 Stunden beansprucht. Gesucht wurden aber Helfer, die mit Pferden umgehen und vernünftig reiten können. Am ersten Tag war ich also auf Bewährungsprobe, als es auf die tägliche 1-1/2 stündigen Runde um den Block ging. Für mich hieß es, entweder einen guten Eindruck auf dem Pferd machen und jeden Tag reiten, oder im riesigen Garten Unkraut jäten, bis es mir zu den Ohren rauskäme.
Ich hatte ein eigenes kleines Appartement inkl. Meerblick für mich alleine und wurde außerdem mit großartiger, fleischreicher Kost verwöhnt. Der ganze Kennedy-Clan machte es mir leicht, mich zu Hause zu fühlen und auch die Arbeit tat mir echt gut.

Annie, Cara und ich in Ausgeh-Aufmachung
Glücklicherweise bestand ich die Feuerprobe auf Whiskey und so durfte ich meine Arbeitszeit hauptsächlich den fünf Pferden widmen. Der tägliche Ausritt diente dazu, die Gäule auf die Jagdsaison vorzubereiten. Bei der traditionellen englischen Jagd verfolgt eine Hundemeute einen aufgestöberten Hasen und die Pferde verfolgen wiederum die Köter querfeldein und springen dabei über Weidezäune. Also musste auch die Springerei trainiert werden. Ich reite ja nun schon seit Jahren, nur mit Springen hatte bisher nicht viel am Hut. Also wurde ich auf Whiskey gesetzt und absolvierte drei Probesprünge. Er wurde so aufgedreht, dass er nur noch rumtänzelte und mir wurde gesagt, dass ich ja auch durch die Gatter gehen könnte. Aber ich wollte es unbedingt probieren und war sicher, dass Whiskey mich nicht fallen lassen würde. Diese zwei Stunden wurden die besten,die ich je auf einem Pferderücken verbracht habe. Die Kennedy’s haben überall in ihren Weidezäunen Sprünge eingebaut, da sie auch Gastgeben für Jagden sind. So galoppierten wir in rasender Geschwindigkeit über die Wiesen und sprangen über sämtliche Hindernisse. Mein Job war eigentlich nur, Whiskey zurückzuhalten, Abstände einzuschätzen und oben zu bleiben. Und ich muss sagen, für meinen Anfängerstatus war ich echt erfolgreich! Es war soooooo grandios, über die Hindernisse zu fliegen und Whiskey ist so ein toller, erfahrener Springer, der mir die ganze Arbeit abgenommen hat. Na ja, unter meinen Lesern sind ja keine Reiter, also belasse ich es dabei und hoffe, ihr habt rausgehört, dass es der absolute Hammer war!
Tagesabauf: mit den zwei Töchtern (Annie, 12 und Cara 9) frühstücken, bevor sie zur Schule gehen, bisserl aufräumen, Pool säubern, bisserl Unkraut jäten, Pferde holen, Pferde fertig machen, reiten, Pferde versorgen, Abendbrot machen usw. Einmal habe ich beim Melken geholfen und das Fazit ist: ich werde niemals ein Milchbauer, das is Knochenarbeit! Heutzutage setzt man sich natürlich nicht mehr auf nen Schemel und stellt nen Eimer unter die Kuh. Es läuft alles ziemlich automatisch ab: die Kühe stellen sich nach und nach auf eine Drehscheibe mit 54 Plätzen, der Computer erkennt die Chips in den Ohren, man pfropft die Melkschläuche an die Euter, die Kuh wird fressend und melkend einmal im Kreis rumgefahren und auf der anderen Seite wird sie abgepfropft und die Kuh geht raus und frisst weiter. Kühe sind mir von Grund aus suspekt, aber wacker, wie ich ja nun mal bin, stürzte ich mich mit den Melkdingern zwischen die stampfenden, kickenden Hufe und hatte den Dreh schnell raus. Was bei dieser Arbeit essentiell ist: immer ein Auge auf die Schwänze der Kühe haben und wenn einer hochgeht weit WEGSPRINGEN und so einer Ladung Kuhscheiße oder -pisse entgehen. Mann und wat Kühe scheißen können, das müssen so min. 20L pro Ladung sein und die will man nicht im Gesicht haben. Wenn die 720 Kühe durch sind, wird die ganze Anlage mit Hochdruckschläuchen gereinigt, die so viel Power haben, dass man sich regelrecht drauflegen muss, um nicht weggedrückt zu werden. Puuuh! Nee, nich mein Ding, lieber Pferde und reiten!
Die zwei Töchter sind so richtige Mädchen und so wurde mir eine Makeup-Session aufgezwungen, bevor wir zum Essen ausgingen. Sie verbrachten viel Zeit vorm Fernseher und so wurde ich ungewollt Zeuge und Opfer der Disney Channel-Gehirnwäsche. Wer auch immer Kinder hat oder haben wird: lasst sie nicht diese kranke Ami-Scheiße gucken!!!
Dass ich mich vor allem nach der Spring-Session in Whiskey verliebt hatte, war ja klar, aber natürlich hatte sich auch die einjährige Hündin Cloud in null komma nix in mein kleines Herzchen geschummelt. Ist schon komisch, wenn man am Ende so eines Aufenthalts die Tiere mehr vermisst als die Menschen…

Cloud, meine große Liebe!
Am Oster-Wochenende stand die erste Jagd der Saison an, aber ich konnte nicht reiten, da alle Pferde belegt waren. Aber ich ergatterte einen Platz in einem „Zuschauer-Geländewagen“ und konnte so zumindest zuschauen. Leider dauerte es recht lange, bis der erste Hase aufgestöbert war und so war es relativ langweilig…
Sich wieder von so einer großartigen Familie verabschieden zu müssen war schwer und davon hab ich langsam echt genug!