Die Horde (Paula und Feargus, Hannah =Schottland, Linda =Belgien, James =Kanada) fiel in Takaka ein und dank deren gefährlichen Halbwissens („Ja, ja, man kann bei den Pupu Springs umsonst zelten.“) brach ich mein Lager ab, nur um abends wieder in Pakawau anzukommen. Der Chef meinte, es wären starke Regenfälle angesagt und bot uns ein Sechsbettzimmer in einem kleinen Cottage zum Campingpreis an. Der Regen kam erst am nächsten Tag, dafür aber so kräftig und anhaltend, dass die Straße nach unserem Ausflug nach Takaka teilweise überflutet war. Aber mein Auto ist ja jetzt höhergelegt… Wir hatten Chris Bone, den Bonecarver (= Knochenschnitzer) kennengelernt und seine Werkstatt samt ihm selber bestaunt, denn er war um 15h schon bei seinem siebten Rum/Cola und hatte in der halben Stunde, die wir dort waren, allein vier Dosen gekippt. Die Gespräche rankten sich dann auch um verschiedene weitere Drogen und deren Anbau und Konsum. Nebenbei machte er aus einer Bussard-Kralle einen Ohrring für Hannah. Ich ließ ihm dann etwas bange meinen heißgeliebten Mumil-Löffel da, mit dem ich Essen gelernt hatte und bat ihn, einen Kettenanhänger aus dem Stielende zu machen zu machen. In diesen regenreichen Tagen wurde viel gekocht, aber sogar auch im Meer gebadet, was etwas merkwürdig war, denn es war spiegelglatt und total ruhig, sodass Millionen winziger Quallentiere mit einem kollidierten.

Ich habe noch nicht erwähnt, dass James Auto bzw. dessen Getriebe den Weg über die Berge nicht überstanden hat und mit einer fatalen Diagnose zurückgelassen werden musste. So war die berühmt-berüchtigt-belächelte Organisation in meinem Auto dahin, denn ich hatte die Ehre neben zwei Mitfahrern auch noch ihr Gepäck zu befördern. Das war mal ein neues Fahrgefühl…

An den folgenden Tage blieb uns der Regen erstmal treu und so verbrachten wir unsere Abende entweder zwischen den Autos unter einer großen Plastikplane (und von riesigen Sandfly-Schwärmen genervt), oder waren gezwungen, in eher teuren Zimmern zu nächtigen. Beim zweiten Anlauf gelang es uns, die legendären Pancake Rocks doch noch zu bewundern, denn der monsunartige Regen ließ langsam nach. Wie der Name erahnen lässt, sind die Felsen geformt, wie übereinander gestapelte Eierkuchen. Abgesehen davon donnert die Brandung in die Felsschluchten und unterirdische Pools und sorgt für allerlei lautstarke und visuelle Unterhaltung. In dem beschaulichen Örtchen Hokitika, wo wir drei Tage am Lake Mahinapaua kampierten, verabschiedeten wir uns von zwei unserer Kumpane und so waren’s nur noch vier. Auch von unserem Lagerfeuerkumpel Mike, der ein stets fröhlicher Fahrradnomade und Tagelöhner ist und von unseren französischen Mitcampern Erika und FX mussten wir uns schweren Herzens verabschieden. Die Zeit am See war in vielen Hinsichten unvergesslich.

Wenn sich dieser Bericht etwas schleppend liest und den Eindruck erweckt, dass wir kaum was erlebt haben, liegt das einerseits am Wetter und andererseits an der von mir selbst durchgeführten Zensur, denn einige unserer Aktivitäten unterliegen einer Alterbegrenzung von 30+…

die Fab Four inna Kneipe

die Fab Four inna Kneipe

Zu viert reiste es sich etwas leichter, unser nächstes Ziel waren die Gletscher an der Westküste. Einen gesamten verregneten Tag verbrachten wir auf der Terrasse eines Restaurants auf bequemen Couches um ein künstliches, aber wärmendes Lagerfeuer herum. Nachdem wir über 12 Stunden dort gechillt, gegessen und getrunken hatten, krochen wir in unsere Zelte zurück die dank des Regens buchstäblich auf dem Rasen schwammen. Den Franz Joseph Gletscher kann man nur mit teuren Touren aus der Nähe sehen, aber auch aus der Entfernung ist er eine imposante blau schimmernde Erscheinung. Der Weg zum Gletscher hat sich trotzdem gelohnt, denn er führt durch eine Ebene voller glitzernder Katzengold-Steine, vorbei an Wasserfällen und rauschenden Gletscherflüssen. An den kleineren Fox Gletscher kommt man näher dran und auch er ist mit seinen Eismassen sehr beeindruckend. Noch am selben Tag fuhren wir bis nach Wanaka und wiedereinmal war der Weg das Ziel, denn er führte durch eine wunderschöne Landschaft mit riesigen Seen und und noch riesigeren Bergen.

Auf dem Campingplatz lernten wir Kim und Jim kennen, einen Hund, der unsere Herzen im Strum eroberte und sein Herrchen, mit dem wir an langen Abenden über Weltfrieden, Medizin und verschiedene Glaubensrichtungen philosophierten. Nach einer verfrorenen Nacht bei Minusgraden fuhren wir in die Stadt und duschten ausgiebigst in einem Backpacker-Hostel. Ich schminkte mich zum ersten mal nach ca. sieben Monaten, was sich seltsam unecht und unbequem anfühlte. In der „Puzzling World“ erlagen wir sämtlichen optischen Täuschungen und rückten unsere Welt dann mit diversen Dosen Double Brown Beer gerade.

Deutschland daheim in Wanaka

Deutschland daheim in Wanaka

Der Versuch, Wanaka zu rocken scheiterte an bekloppten Djs (die um 1Uhr ins Bett gingen) und seltsamen Leuten, die den Möchtegern-Club noch unerträglicher machten. Ich genemigte mir den ein oder anderen Jägi und hatte trotzdem Spaß, bis mir ein halbnackter Pimpf Obszönitäten ins Ohr zu flüstern versuchte und wir den Heimweg antraten.

Das Wetter besserte sich und wir genossen einen halben Tag faulenzend in der Sonne.

Weiter ging es ins berühmte Queenstown, das neben einem großen Angebot an Extremaktivitäten auch City-Leben bieten sollte. Ich fühlte mich gleich eher unwohl, denn es schien nur aus Markenläden, Souveniershops und Fressbuden zu bestehen. Okay, am See spürt man noch den Charme der alten Häuser und die Aussicht zu den schneebedeckten Berggipfeln ist wirklich traumhaft, aber die Stadt selbst??? Wir trafen Kim und Jim am Abend auf dem Campingplatz wieder, genossen ein gemeinsames Mahl und lange Diskussionen. Hannah und ich sahen die längste Sternschnuppe unseres Lebens, bestimmt fünf Sekunden lang raste sie über den Nachthimmel…

Es folgte der Aufbruch zum Bootstrip in Milford Sound, auf den ich meine Reisebegleiter netterweise mitbringen durfte.