Fast wäre unsere Reise auf dem Brisbane’r Flughafen geendet, denn wir gerieten an ein besonders gutgelauntes, hilfsbereites Exemplar von Schalterhengst… Erst meinte er, unsere (Notfall-) Reisepässe wären gar nicht gültig, so etwas hätte er noch nie gesehen. Nachdem wir ihm die polizeiliche Vorgangsnummer gegeben hatten, war dieser Punkt abgehakt und er (er)fand ein neues Hindernis: ohne Rückflug dürften wir nicht einreisen. Da wir damit nicht ganz einverstanden waren, schlug er uns vor, das könnten wir ja auch mit der Flughafenpolizei und der Immigrationsbehörde ausdiskutieren. Dumm nur, dass wir unverschuldet etwas spät dran waren und dafür nun wirklich keine Zeit hatten. Also zeigten wir ihm die Visa für Neuseeland auf dem Laptop. Oh, das ginge ja so auch nicht, die müssten wir schon ausdrucken. Ich war schon bereit, ihm den Mittelfinger ins Auge zu pieksen und einen Flug nach Hause zu buchen… In Rekordzeit trieb Nico also einen Drucker auf, Mr. Muffelkopp warf noch nicht mal einen Blick darauf, bis ihm dann doch noch einfiel, dass wie ja nun neue Passnummern hatten und auf den Visa die alten stehen. Also noch ein ewiges Gespräch mit der Immigrationsbehörde und zu seinem Graus musste er uns dann doch durchlassen. Inzwischen war unangenehmerweise schon eine Eskorte unserer Fluglinie aufgetaucht, die uns abholte und zum Security-Check brachte. Dort wurden dann unsere Daten noch einmal gecheckt und unsere alten Pässe (schon?!) für Flugreisen gesperrt. Unsere Eskorte blieb zwar freundlich, aber reserviert und hatte offenbar Mühe, nicht mit den Füßen zu scharren. Am Abflugschalter entspannte sich aber die Lage, denn das Boarding hatte noch gar nicht begonnen, puuuh! Nun wissen wir nicht, ob es wegen uns verzögert wurde, oder die Eskorte aus Sicherheitsgründen (um uns vor dem Schalterschwachkopf zu beschützen? Um uns Übergangspass-Besitzer am Herumstreunern zu hindern?) geschickt wurde.
Der Flug war überraschend kurz und wir kamen gen Mitternacht in Wellington an. Die äußerst entspannten Herren des Begrüßungskomitees staunten ebenfalls über unsere Pässe (scheinen anders zu riechen, als die üblichen), riefen bei der Immigration an und meinten, da sollten wir uns aber morgen mal melden. Rin ins Taxi, rin ins Hostel, rin ins 6-Bett-Dorm und damit auch rin in den allerübelsten Hockeyschuhe-nach-dem-Turnier-eine-Woche-in-der-Tasche-vergessen-Duft. Erstmal so leise wie möglich die Fenster aufgerissen und in unsere Hochbetten geklettert. Unser erster Tag in NZ sollte uns wohl auf Kommendes vorbereiten, denn es regnete in Strömen und selbst mit sämtlichen verfügbaren Klamotten und trotz Lagentechnik froren wir erbärmlich. Die Immigrationstante meinte erst, das Ändern der Passnummer würde 90$ pro Person kosten, nachdem Nico ihr aber die ausgedruckten Visa gezeigt hatte, meinte sie, „Ach so, na wenn wir das ausgedrukt hätten, müsste gar nichts gemacht werden!“. Unklar! Zwei Tage verbrachten wir im Dauerregen mit wenig Sightseeing, kurzer Autosuche und im ungemütlichen Hostel, bis wir entschieden, nach Auckland zu fliegen.

Auckland vom Highway fotografiert
Auch dort kamen wir Mitternacht an, düsten mit dem Bus in die City und fanden auf der Partymeile ein Hostel. Zwar teuer, aber gemütlich. Und kein Regen! Schon am nächsten Tag quartierten wir uns bei unserem ersten NZ-HelpXhost ein: Graem und Olive Reed. Bei denen gab es im und um das Haus herum ein Vielzahl unnützer, unlogischer, lächerlicher, wahnwitziger, widersprüchlicher Aufgaben, was wir aber erst nach ein paar Tagen feststellten. Mit uns arbeitete dort Amanda aus den USA, mit der wir uns gut verstanden. Neben den Arbeitsmerkwürdigkeiten waren vor allem die Essgewohnheiten sehr interessant, denn es gab glutenfreies Essen, jeder der beiden konnte dies und das nicht vertragen und die Mahlzeiten (gekocht wurde nur abends, so gegen 23Uhr!) waren ein Potpourri aus verschiedenen Schüsselchen mit gleichsam fadem Inhalt. Eingekauft wurde auch erst, nachdem wir schon zwei Tage nichts Richtiges zum Mittag hatten. Als wir auf Olives Frage, was sie uns denn mitbringen könne ganz bescheiden „Saft.“ antworteten, meinte sie „Nein, sie stelle keinen Saft zur Verfügung, den müssten wir uns schon selbst kaufen.“ Also weiterhin Tee und merkwürdigen Kaffeersatz, denn Graems guten Nescafé durfte man nicht trinken, schließlich verträgt er ja nur den. ???
Über die Arbeit könnte ich mich jetzt detailreich auslassen, hier nur einige Beispiele: Ich verbrachte einen Großteil der Zeit damit, den Fugenkitt aus einem Badezimmer zu pulen, das eh in einem Jahr abgerissen wird. Außerdem scheuerte ich es von oben bis unten, damit es überhaupt erträglich wurde, es zu benutzen. Nico bohrte mit einem Presslufthammer Löcher in den Pool, damit er mit den angeschleppten und dreimal umgestapelten Zementsteinen zugeschüttet werden kann. Dort soll dann eine geflieste Terrasse hin und die riesige Terrasse, die jetzt um den Pool herum existiert, soll doch dann ein Blumenbeet werden. ???

Nico, der Schlagbohrer und der Pool in Auckland
Eine der tollsten Arbeiten war das Sortieren von einem mannshohen 5m² großen Schrottholzstapel, den Graem einfach auf den Vorgartenrasen gekippt hatte. Der musste nun weg, weil der Wohnwagen dort entlang musste, anstatt durch das Tor. ??? Das brauchbare Brennholz sollte in den noch nicht fertiggestellten Holzschuppen, der selbstverständlich am anderen Ende des Grundstückes in einer Schlammsenke lag, super zum Holztrocknen! Aber so weit kam es natürlich nicht. Ein irisches Pärchen (Paula und Feargus) kam zur Verstärkung, als wir endlich unser Auto samt Ausrüstung beisammen hatten und bereit waren, zu fliehen. Während Graem einfach nur unangenehm und durchgedreht war (ständig am murmeln, „ach so lustige“ Wortwitze machend und nie einen vernünftigen Satz sagend), fanden wir Olive wirklich nett und hilfsbereit, voll erwünschter oder ungefragter Ratschläge. Sie verwies uns autotechnisch dann auch an Doreen. Die hatte zwei Werkstätten, war hyperbusy und ließ uns jedes einzelne mal min. eine halbe Stunde warten. Erst wollte sie uns einen zwar großen, aber runtergekommenen Bus für 3000$ vermieten und dann bot sie uns ihren Stationwagon, einen Mitsubishi Legnum an. Der Verkauf ging fix über die Bühne und sie schenkte uns noch eine Menge wichtiger Utensilien, von Schlafsäcken bis Küchengeräten. Auf die Frage, ob der Wagen denn tiefergelegt sei, meinte sie, das wisse sie auch nicht,was sich jedoch als äußerst fragwürdig erwies, denn bei jeder Unebenheit setzte das gute Gefährt auf und ich spreche hier nicht von Seiten- oder Schotterstraßen. Das wird vollgeladen mit Campingausrüstung spätestens bei 100km/h auf dem Highway seeehr ungemütlich.
Als wir Amanda, Feargus und Paula zu Weihnachten wiedertrafen, gab es unendliche Graem&Olive Anekdoten und sie erzählten, dass sie all das vorsortierte und teilweise von ihnen schon geschnittene Holz in den Bach an der Grundstücksgrenze werfen mussten. ???
Das war dann der Punkt, wo sie sich alle drei unter Vorwänden verabschiedeten. Amanda ging erstmal in ein buddhistisches Zentrum zum Meditieren und die Iren flüchteten für einige Tage zu einem anderen Host.