In Cairns hatten wir uns neben dem spektakulären Tauchtrip die Zeit auf verschiedene Arten vertrieben. Abgesehen von ein paar Ausflügen in die Umgebung kampierten wir auf dem Parkplatz einer Wakeboard-Anlage, in der sich Nico einen Wochen-Pass besorgt hatte. Er düste da also seine Runden und ich hatte mir „auch“ eine sinnvolle Beschäftigung gesucht. Im Tierheim wurden jederzeit Katzenknuddler und Hundebeschäftiger gesucht und nach einer Einführungsveranstaltung tauchte ich also täglich da auf und hatte in meinen 4-6 Stunden alle Hände voll zu tun. Neben der Welpenbespaßung ging ich mit allen Heimhunden und versuchte, auch denen noch individuelle Zuwendung zukommen zu lassen. Die Hunde waren durch die Bank weg total freundlich und je nach Alter schon recht gut erzogen und es war einfach unfassbar, wer so liebe Tiere weggibt, aussetzt und trotz des Überflusses noch weiter“züchtet“. Nach den zwei Wochen dort hatte ich einerseits meine Lieblinge gefunden, wusste aber andererseits, dass diese Arbeit zu frustrierend ist, um sie länger zu machen.

Pinscher und Kater-Knuddelei

Nico beim Wakeboarden in Cairns
Schließlich ging es wieder weiter und zunächst klapperten wir die spektakulären Strände um Mission Beach ab. Dann nahmen wir die Einladung eines Pärchens nach Airlie Beach an, die wir am Anfang unseres Trips kennengelernt hatten. Ihr Auto war liegengeblieben und wir fuhren sie ins Krankenhaus, wo eine Freundin von ihnen auf der Intensivstation lag. Bei Glenn und Julie genossen wir eine Nacht im Gästezimmer, Frühstück auf der Terrasse mit spektakulärem Blick über die türkise Bucht und noch einige weitere nette gemeinsame Abendessen. Außerdem trafen wir in Airlie, dem Tor zu den Whitsunday Islands (und schlimmsten Teenie-Bachpacker-Treff), auch noch Alex den bloody Franzosen wieder, mit dem wir einige Ausflüge weg von dem Gewusel unternahmen. Natürlich stürzte ich mich aber auch sogleich mit ihm ins Nachtleben und natürlich endete ich jede Nacht alleine im Club, weil er sich ne Schnitte klargemacht hatte. Eines morgens kam mich Nico sogar suchen, mit dem Ziel mal bei der Polizei anzufragen, ob ich wohl dort aufgetaucht wäre. Aber nee, ich hatte mir völlig im Einklang mit dem Gesetz nur den Sonnenaufgang reingefahren. Na gut, dazu waren wir in das Gelände des Yachtclubs eingedrungen, aber das hat ja zum Glück keener gemerkt…
Unser Ausflug zu dem Whitsundays selbst war ein totaler Reinfall, denn abgesehen davon, dass wir von über das Boot geschwappten Wellen total durchnässt und verfroren waren und unser Captain miese Laune hatte, konnten wir aufgrund des hohen Wellengangs genau die zwei Hauptattraktionen (Whitehaven Beach und das Riverinlet) nicht besuchen. Dafür war das Essen gut und wir schnorchelten (bei Eiseskälte) an einem überraschend schönen Spot.
Mit Alex hatten wir mal wieder ne spektakuläre Zeit, denn er ist einer unkompliziertesten Menschen, die ich jemals getroffen habe und so fiel der Abschied recht traurig aus.

Kerle am kochen
Um mich von dem Nachtleben erst mal zu erholen, suchten wir uns einen Campingplatz mitten auf dem Strand aus, dessen Sandwege unser Auto auch ohne 4WD hervorragend meisterte. Total einsam unter Bäumen gelegen und sogar mit einem noch kokelnden Feuer versehen war das einer der schönsten Schlafplätze überhaupt. Einzige Begegnungen fanden mit einer Baby-Python und zwei deutschen Baby-Backpackern statt, die mit ihrem Toyota Landcriuser (VIERRADANTRIEB!) schon auf dem Hauptweg steckengeblieben waren und sich erstaunt fragten, wie denn wir dahin gekommen waren. Erst erzählten sie noch, sie hätten ihr Auto ja auch mal in einem 1,5m tiefen Wasserloch versenkt, um sich dann aber derartig aufzuspielen, dass sie ja die wahren „Explorer“ sind uns die alle mit ihren einfach Campervans nur auslachen. Da sagte ich dann auch schnell „Tschüss, ihr Knalltüten mit den Bartdaunen, Autoversenker und Steckenbleiber!“ und wandte mich wieder meinem Feuer zu. Das Wetter war zur willkommenen Abwechslung mal stürmisch und regnerisch und so bastelten wir uns aus Heckklappe und Plane ein gemütliches Nest und verbrachten zwei Tage lesend und spazierend ohne weitere nette Bekanntschaften zu machen.
Das nächste Highlight war ein Pferderennen, bei dem ich schmerzlich feststellen musste, dass Nico zum lästern nicht die geeignete Begleitung ist. Herrje, an diesem Tag müssen von den Betrachterinnen offenbar unbemerkt sämtliche Spiegel zersprungen sein, denn was sich da so in die verrücktesten Farbkombinationen quetschte und mit noch mehr Farne bekleisterte ging auf keine Kuhhaut! Echt, von Geschmack hat hier so gut wie keiner was gehört! Wir gingen aus den Rennen mit +/- Null raus, hatten aber Eintritt, Getränke und vorherige Wettverluste durch ein Pferd namens „Pinke Pinke“ wieder eingenommen. Bei dem Namen ja nun kein Wunder!
Unser Gastspiel auf der Pferdefarm ist ausführlich im eigenen Bericht beschrieben und hier geht es nun humpelnd in Victoria weiter. Alle hatten uns Byron Bay so sehr ans Herz gelegt und ich wollte unbedingt die Nationalparks erkunden, was knietechnisch natürlich nur anhand ganz kurzer Spaziergänge möglich war. Byron Bay war ein Touri-Zentrum und damit nix für uns, auch wenn es mit seinem alternativen und hippiemäßigem Touch eigentlich ganz nett erschien, aber viel zu teuer war. Also uff zum nächsten Waldcampingplatz im Hinterland. Nach kurzer Überlegung, ob man im wunderschönen Mullumbimby noch fix tanken soll dachten wir „Nö, machen wir auf dem Weg!“. Nur, dass der Weg nach ca. 45min nur noch eine unbefestigte Buckelpiste im hinterletzten Tal war und unser Navi uns mitten in eine Sackgasse gelenkt hatte. Der Tank stand schon auf E als wir beschlossen, essen hilft immer und uns am Straßenrand gerade häuslich niederließen. Nico hielt dann doch den nächsten Pick up an und der nette Typ meinte, sein Kumpel hätte immer wat Benzin da. Also wieder eingeräumt, ihm hinterher gefahren und bei Nicolas dem II mit seinem gebatikten Lendenschurz dann Benzin eingesackt. Der Pick up Fahrer lud uns dann zu sich ein, neben einem Creek mitten im Urwald zu nächtigen.

unsere Urwald-Übernachtungseinladung
Die Einladung wurde angenommen und so landeten wir auf seinem Grundstück und lernten auch den Rest der Familie kennen. Das riesige Haus hatte er mit selbstgebrannten Lehmbacksteinen und einer Menge Holz selbstgebaut und es war so schön eingerichtet (mit Holzschnitzereien und Kunstgegenständen aus Bali), dass es in eine Zeitschrift gehört hätte. Von Glühwürmchen umschwirrt schliefen wir mit Bachgeplätscher in den Ohren unter den Palmen und Eukalyptusbäumen.
Am nächsten Tag machten wir uns mit gefülltem Tank dann nochmal auf die Suche nach dem Campingplatz und fanden ihn tatsächlich. Der Abend fiel ins Gewitterwasser und wir erlebten eine Blitzfrequenz, wie ich es noch nie gesehen hatte. Um mich in Bewegung zu halten, unternahmen wir täglich mehrere kleine Spaziergänge, die Krücken hatte ich so schnell wie möglich weggeschmissen und die Schiene trug ich nur noch nachts. An einem Tag schafften wir es doch glatt auf drei separaten Spaziergängen jeweils ein Schlange aufzustöbern. Eine davon mussten wir mit einem Stock vom Wanderweg vertreiben, denn sie hatte es sich so arg gemütlich gemacht, dass sie eher angreifen wollte, anstatt zu flüchten. Im Springbrooke Nationalpark, in dem es in einer Höhle laut zuverlässiger Quelle Leuchtewürmchen geben sollte, fanden wir zwar besagte Höhle, durch die eine Wasserfall stürzte, aber da wir schlauerweise tagsüber aufliefen, leuchtete leider rein gar nix… Den berüchtigten Hippie- und Kifferort Nimbin besuchten auch mitten am Tag, aber außer zwei unwahrscheinlichen süßen Stück Kuchen erstanden wir nichts von den angepriesenen Waren, wie Speed, Ecstasy oder eben auch Gras. Der Ort hat außer einer Haupstraße, die von psychedelischen Läden, Öko-Lebensmittelgeschäften und Drogenverkäufern gesäumt wird, nicht so sehr viel zu bieten.
Da sämtliche Campingplätze kostenpflichtig und nur mit arg stinkigen Toiletten ausgerüstet waren, aber ohne Duschen, kehrten wir New South Wales den Rücken und machten uns auf nach Brisbane, um den Van zu verkaufen.