Ich verbrachte zwei Tage in der Nähe von Wellington und buchte die Überfahrt mit der Fähre auf die Südinsel. Auf einem Spaziergang an einer Bucht entlang wurde ich Zeuge eines Speedboat-Rennens. Vornehmlich Herren der Schöpfung quetschen sich in winzige, aerodynamisch geformte Flitzer und verpulvern geräuschvoll in null komma nix ihr Benzin mit 200km/h. Eins der Boote verlor in der Kurve die gesamte Seitenverkleidung, aber es kam zum Glück niemand zu Schaden. Auf der Fähre hatte ich dann Gelegenheit, mehr über diesen „Sport“ herauszufinden, denn ich lernte Bonnar kennen. Ein eher stattlicher Kiwi mit dänischen Wurzeln klärte mich über Risiken und Nebenwirkungen auf und lud mich nebenbei ein, mit seinem anderen, großen, LANGSAMEN Boot eine Tour in den Milford Sounds zu unternehmen. Außerdem versorgte er mich mit Ausflugstipps und ich nahm mir vor, ihn auf jeden Fall zu besuchen.

Für die Überfahrt hatte ich zum Glück gutes Wetter, aber die Wellen reichten aus, bei einem Lexus Jeep permanent die Alarmanlage auszulösen und sobald ich mich im Inneren der Fähre aufhielt, bat mich mein Magen, doch an die frische Luft zu gehen. War eh schöner draußen, auch wenn ich anstatt von Delfinen „nur“ drei größere Haie entdeckte, die reglos im Wasser abhingen.

Ziemlich müde und erschöpft von reichlich frischer Luft stieg ich in Picton in mein Auto, das trotz unangezogener Handbremse noch am selben Fleck stand. Ich düste über kurvige, steile Schotterstraßen zu Robin Hoods Bay, wo es an einem Surfstrand einen gratis Campingplatz gab und viel ziemlich gleich in meinen Schlafsack.

An Tag zwei auf der Südinsel machte mich auf, die Marlborough Sounds zu erkunden, die mich mit ähnlich kurvigen Straßen in Empfang nahmen. Aber mit meinem geliebten Auto machte das sogar Spaß, ich wünschte, es würde in meinen Rucksack passen… Es protestierte auch kaum, als ich ein tschechisches Pärchen mitnahm. Auf dem Campingplatz war es einigermaßen schwierig, ein ebenes Plätzchen für mein Zelt zu finden, aber nachdem das gemeistert war, verbrachte ich den Rest des Tages lesend im ohrenbetäubenden Gezirpe der Zikaden.

Die Marlborough Sounds sind eine Art Fjordlandschaft, in denen sich endlose Buchten durch eine grüne Berglandschaft schlängeln. Das Wasser ist helltürkis, ich hoffe, das kommt auf den Fotos raus.

türkises Wasser, grüne Bäume, weißes Boot...

türkises Wasser, grüne Bäume, weißes Boot...

Am nächsten Tag ging es nach Nelson, wo ich das irische Pärchen Paula und Feargus treffen wollte. Auf dem Weg machte ich Halt in der „Welthauptstadt der grünen Miesmuschel“ und gönnte mir eine Portion samt passendem Weißwein. Etwas enttäuschend, den die Muscheln sind eher zu groß als mundgerecht, hatten einen zu starken Algengeschmack und die Sauce war auch eher fad. Dafür war der Wein samt seiner Wirkung recht erhebend und so stieg ich leicht besäuselt in mein Auto und musste mich sehr auf meinen linken Fuß und das Gaspedal konzentrieren, nur abgelenkt von guter Mucke und schöner Landschaft. Nachdem ich gas- und nahrungstechnisch aufgetankt hatte, fuhr ich zum Playhouse, wo die Iren arbeiteten. Nach einem geselligen Abend durfte ich sogar in deren Unterkunft im Bett schlafen und am nächsten Tag die Dusche benutzen. Wir verabredeten, unseren gemeinsamen Roadtrip am kommenden Dienstag starten. Ich brach nach Marahau auf, wo der Abel Tasman Nationalpark begann. Von den Campingpreisen geschockt, flüchtete ich von dem ersten Ort zu Old Mc Donald’s Farm, wo es mich immer noch 15$ pro Nacht kostete. Im ersten Morgendämmern, also so ungefähr gegen 10h, startete ich samt Lunchpaket in strahlendem Sonnenschein meine Wanderung auf dem Abel Tasman Track. Der Weg führt stets an der Küste entlang, schlängelt sich durch Farnwälder und an einsamen, versteckten goldenen Buchten mit türkisem Wasser entlang. Trotz meiner vielen Fotografiererei legte ich die 22km in ca. sechs Stunden zurück und gönnte mir nur kurze Erholungspausen an den wunderschönen Stränden.

Apple Tree Bay im Abel Tasman

Apple Tree Bay im Abel Tasman

Takaka ist bekannt als organisch-vegetarischer Hippie-Ort, aber von genialen Läden hatte keiner was gesagt. Ich gab ein kleines Vermögen aus und erholte mich an den Pupu Springs von meinem Kaufrausch. Dort kommt das Wasser direkt aus dem Boden (ach nee!), und zeigt sich sprudelnd auf der Oberfläche eines glasklaren Sees. Es soll den höchsten Reinheitsgrad der Welt haben, was durchaus möglich ist. Man kann all die bunten Algen auch noch in 30m Entfernung sehen. Von der Touri-Infomation wurde mir das Beach Camp Pakuwau kurz vor dem Farewellspit empfohlen. Es liegt direkt an einem endlosen Sandstrand am Nordende der Südinsel, hat fabelhafte Duschen wurde mein zu Hause für eine unerwartet lange Zeit. Ich muss gestehen, dass ich die meiste Zeit lesend und faulenzend verbrachte und nur kurze Ausflüge zum Farewellspit und nach Takaka unternahm. Eine Irrfahrt endete aufgrund einer bedenklichen Tankanzeige nach einer Stunde endloser Schotterstraßen. Schade, denn Whitiangs Bay soll wunderschön sein und das Ziel vieler fotobegeisterter Touris, wenn man denn nur den Weg auf sich nimmt…

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang