Nach einer zick-zack Fahrt durch die Berge, die ich mit lauthalsem Gesinge zurücklegte, fand ich dann schließlich im Hinterland von Masterton doch mein Ziel: Talisman Farm Sport Horses.
Louise, Nick und Amy begrüßten mich nicht weniger herzlich als die drei Hunde (Schäferhund Jet, Bowarder Collie Jess und Fox Terrier und Haushund Roscoe) und ich fühlte mich gleich entsprechend Pudelwohl, ha, ha, ha! Amy (acht Jahre alt) zeigte mir unser Zimmer und war so großzügig, ihr Hochbett mit mir zu teilen, dass ich nach Beiseiteräumen tausender Kuscheltiere dann auch beziehen konnte. Sie weihte mich außerdem in die mir unbegreifliche Welt von „World of Warcraft“ ein und plapperte mich in Grund und Boden. Aber da sie ein helles Köpfchen und ein entspanntes kleines Ding ist, geht sie einem nicht sehr auf die Nerven (nur, wenn sie gelangweilt ist, oder ins Bett muss, oder zum Zähneputzen geschickt wird).

- Amy und Douglas
Louise führte mich rum und machte mich mit den Pferden und dem Esel (juhuuuu!!!) bekannt und ich war sofort verliebt in die Landschaft und noch mehr in die Tiere.
Gerade gibt es zwei Fohlen, die selbstverständlich unfassbar süß sind, und schon ab der ersten Nacht wurde mein Bett abwechselnd von zwei der drei Katzen (Omar, Douglas und Monty), dem kleenen Hund, oder einer Mischung selbiger belagert. Ich musste erst mit eingeschlafenen Gliedmaßen dazu gebracht werden, mich trotz der genussvoll schnurrenden Katze auf meinen Beinen, zu bewegen.
Die Wilsden-Familie führt meistens ein sehr ruhiges, beschauliches Leben und ich muss meine Energie manchmal zügeln, wenn ich Louise mit meinem Tatendrang nicht anstecken kann. Aber so komme ich wenigstens dazu, mich dem Blog zu widmen.
Bald schon kam ich auf das erste Pferd, eine solide gebaute Clydestale-Stute namens Meg, die mich munter und brav über den Platz trug und auch meine ersten Springversuche geduldig über sich ergehen ließ. Da ich zusammen mit Louise ausreiten wollte, kletterte ich dann auf Kaya, eine riesenhafte, schwarze Stute, die schon einige Jahre nicht mehr geritten worden war. Abgesehen von ständigem Kopfschütteln ging auch alles ganz gut, bis ich sie dann höflichst darum bat, doch zu galoppieren. Hier sollte meine Mama wohl besser nicht weiterlesen, aber da ich das Foto eh hochladen muss, um mit meinen spektakulären Stunts anzugeben, wird sie es eh mitbekommen. Also Mama: alles okee, Kartoffelpüree; ich bin überhaupt nie runtergefallen und nach dem zweiten Versuch habe ich den Teufel nur noch longiert (das ist, wenn das Pferd an einer langen Strippe machen soll, was du sagst und ansonsten mit der Peitsche malträtiert wird, was ausführlich geschah). Zurück zum Galoppversuch. Kaya hatte sich eigentlich sehr gut gehalten, aber offenbar war ihre gute Laune genau in dem Moment vorüber, als ich erst richtig loslegen wollte. Also fing sie an zu buckeln (= Hinterbeine in die Luft schleudern) und zur Krönung auch noch zu steigen (Vorderbeine hoch und nur noch auf den Hinterbeinen stehen). Dafür, dass es für mich das erste mal auf einem steigenden Pferd war, hielt ich mich prächtig und war etwas enttäuscht, dass keiner mit einer Kamera zur Hand war. Das änderte sich am nächsten Tag, als Nick mit auf dem Platz war und Kayas Versuche, mich bösartigst loszuwerden, dokumentieren konnte. Daher diese spektakuläre Foto:

Im Einvernehmen mit Louise brach ich diese doch recht gefährlichen Versuche ab, quälte das Viech noch etwas an der Longe und stieg dann auf den Hengst um. Brennan ist der Star des Gestüts und fleißiger Samenverteiler in weiter Umgebung. Er ist ein fein gebautes Connemara-Pony, der wunderschöne Fohlen hervorbringt und damit den Lebensunterhalt der Familie neben Nicks Musikkarriere finanziert. Zugegebenermaßen ist er ne Nummer zu klein für mich, aber echt gut zu reiten und ich hab viel Spaß mit /auf ihm.
Unsere Tage plätscherten dahin mit Amy unterhalten (noch waren Ferien), reiten, gärtnern, Ziegen einfangen und entwöhnen, Pferde auf dem Nachbarhof zum Verkauf fotografieren, dort reiten und ganz viel Viecher-Kuschelei.
Nun bin ich schon fast drei Wochen hier und genieße meine Zeit, wenn ich auch gerne etwas mehr zu tun hätte. Ich lerne schon einiges über Stutenzyklen, Entwurmungskuren und Befruchtungsmethoden, nur beim Reiten habe ich keine richtige Anleitung.
Der Abschied von meiner kleinen Freundin Amy, meinen Lieblingstieren Hund Roscoe und Kater Douglas und natürlich von Louise und Nick wird wirklich schwerfallen, aber ich hab auch Bock, wieder unterwegs zu sein.
Auf, auf, zu neuen Taten!