Anhand des Titels weiß man gleich: Es geht mal wieder hauptsächlich um unliebsame Begegnungen…

Mit Cameron zusammen machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz und wurden schnell fündig. Er entschied sich für die teurere Variante mit Blick auf den Fluss Nam U und wir für ein schönes, geräumiges Bambus-Bungalow etwas zurückgesetzt am Fuß eines steilen Berges und an den Dschungel grenzend.

unser Spinnen-Bungalow

unser Spinnen-Bungalow

Man muss zu Nong Khieaw sagen, dass in jedem Reiseführer darauf hingewiesen wird, dass es aufgrund der Abgelegenheit keinen ATM (Geldautomat) und keine Bank gibt, sondern man in ein paar Läden Bargeld wechseln kann. Also sollte man einen ausreichenden Vorrat an Kip oder zumindest genug Dollars dabei haben. Als es nun ans Bezahlen der Bungalows ging, fiel der gute Cameron aus allen Wolken (obwohl ihn Nico schon in Udomxai auf die ATM-Losigkeit hingewiesen hatte) und hatte scheinbar gar kein Geld mehr. Anstatt erstmal aus dem Bungalow zu kommen und uns zu fragen, blieb er aber rund eine Viertelstunde scheinbar völlig ratlos auf dem Bett sitzen und ignorierte die hochschwangere Vermieterin, sowie ihre Aufforderung, doch bitte rauszukommen und die Tür wegen der Moskitos zu schließen. Als sie dann am Ende ihrer Engelsgeduld fragte, was er denn da mache, meinte er, er denke nach. Da er scheinbar nicht den Arsch in der Hose hatte, uns um Geld zu bitten und wir uns so für sein Verhalten schämten, boten wir ihm dann das Geld an. Wir sagten ihm aber auch, dass er dann wohl am nächsten Tag die vierstündige Fahrt in die nächst größte Stadt auf sich nehmen müsse, um Geld zu holen. Er fing dann an rumzuüberlegen, ob wir nicht noch gemeinsam nach Vietnam reisen und er könne uns ja dann da das Geld wiedergeben, denn das passe ja alles nicht in seine Reisepläne… Ich meinte, das geht ja so nich, wir hätten auch nur Geld für zwei dabei und wollten so ganz nebenbei überhaupt gar nicht nach Vietnam! Beim Abendbrot nervte er dann noch mit seinem pseudo-philosophischen Gequatsche über die „Freiheit des Geistes beim Reisen“ und wie open minded man ja ist usw. Wir tauschten dann e-mail-Adressen aus, waren gespannt, ob wir unsere 10€ wiedersehen würden und ansonsten froh, den Typen los zu sein. Ein weiteres, herrlich anschauliches Beispiel für den „ach so easy-going und nix peilen, aber voll cool ich war schon da und da“-Reisetyp, den ich so gar nicht abkann!

In Nong Khieaw blieben wir drei Nächte und hatten zwei volle Tage, um uns umzusehen. Am ersten Morgen machte mich Nicos „So, du stehst jetzt mal besser auf!“ sofort stutzig und ich begann, mich umzusehen. Außen auf dem Mückennetz chillte ein herrliches Exemplar Handtellergroße-Spinne. Und da soll mir noch mal jemand (ja du, Papa!!!) erzählen, dass Spinnen ja die Nähe von Menschen meiden, an der Körperwärme merken würden, dass sie zu dicht sind und dann abhauen würden. Pustekuchen! Wir schälten uns also behutsam aus dem Mückennetz, aber jeder Versuch, das Vieh einzufangen, um es rauszusetzen, scheiterte. Die war trotz abhandengekommenen Beines so unfassbar schnell, dass Nico sie nur hinters Bett und außer Sichtweite treiben konnte.

Die erste Hälfte des Tages verbrachten wir „gezwungenermaßen“ mit Lesen (Nico im Bett mit Spinne, ich lieber auf dem Balkon), denn es goss stundenlang. In der Mittagshitze trieb ich Nico dann aus der Heia und wir schlurften los, uns die „Communist Cave“ anzusehen. Laos ist übrigens ein sozialistisches Land, aber wenn ich so an meine Eindrücke der DDR zurückdenke, ist davon nicht viel zu merken.

Hier forderten die winkenden Kinder dann lautstark ihr angebracht scheinendes Falang-Mitbringel, nämlich „Pens!“ -Kugelschreiber. Wir waren schlecht vorbereitet und hatten nix zu bieten. Eine heitere Männerrunde an einem Kiosk lud uns ein, doch an ihrem Lao-Lao-Picknick teilzunehmen. Doch aus Rücksicht auf meine lange Abstinenz, sowie die flimmernde Mittagshitze lehnte ich den laotischen Reisschnaps dankend ab, was sich wenige Minuten später am Fuß der Betontreppe zur Höhle als richtig erwies. Die Stufen waren teilweise ca. einen halben Meter hoch und so schmal, dass nicht mal mein Füßchen QUER draufgepasst hat. Trotz des stattlichen Eintrittsgeldes wurden wir in der ersten Höhle enttäuscht, denn es gab nix zu sehen und man konnte schon nach kurzer Zeit nicht mehr weiter, da die Bambusleiter morsch geworden war. Über einen kleinen Pfad ging es dann weiter zur zweiten Höhle, als ich sich lustig windende Würmchen auf dem Boden erspähte und erst mal stehen blieb, um sie zu inspizieren. Als sie jedoch geschlossen Kurs auf meine Füße nahmen und anfingen auf mir rumzuwürmeln, fand ich das nicht mehr so interessant. Ich instruierte Nico, sich mal an seinen Füßen umzusehen und da wurde klar, dass es sich um Leeches (Blutegel in Wurmform) handelte. Da der ganze Weg voll von ihnen war und das unsere erste Begegnung mit ihnen war, beschlossen wir, zurückzurasen und uns die Kerle erstmal von Beinen zu pulen. Bei mir hatte glücklicherweise noch keiner angebissen und es sollte sich zeigen, dass Nicos Blut scheinbar besonders anziehend auf sie wirkt, ich aber die ganze Zeit verschont blieb.

Den Nachmittag verbrachte ich damit, mit dem Fernglas ein weiteres Exemplar Marke „Handtellergroß“ auf einem Dachbalken in unserem Bungalow zu beobachten. Da sie sich aber über mehrere Stunden nicht regte, war ich zufrieden und zuversichtlich, dass sie auch weiter dort sitzenbleiben würde.

Am selben Abend war ausnahmsweise mal ich es, die etwas entdeckte, aber auch nur, weil Nico immer noch einer Maus (o. Ä.?) hinterher starrte. Mit meiner heldenhaft blitzschnellen Reaktion und weil mir der richtige Terminus zum Glück gleich einfiel, konnte ich ihn davon abhalten, mit seinen Flip-Flops in einen stattlichen Skorpion zu rennen. Der war dann noch so freundlich, sich von allen Seiten begutachten und fotografieren zu lassen. Mit seinen ca. 15cm sah er eigentlich so aus, wie ein pechschwarzer Krebs, ob er giftig war, haben wir nicht ausprobiert.

der Skorpion

der Skorpion

... und sie bewegte sich DOCH!

... und sie bewegte sich DOCH!

Kaum im Bungalow gab es dann die nächste Begegnung, denn Madame „Ich sitze nur ganz unschuldig auf dem Balken“ hatte sich doch bewegt und meinte, nun müsse sie es sich auf dem Mückennetz erst mal gemütlich machen. Auch hier scheiterte jeder Fangversuch und auch diese Dame landete hinterm Bett, von wo aus sie jedoch nach draußen unter den Bungalow floh, wie Nico mir versicherte.

Nach dieser ganzen Aufregung wollten wir uns dann fertig für die Falle machen, aber nein: ich sah zum ersten Mal einen echt angeekelten Nico, wie er aus dem gerade erst betretenen Bad rauskam und gewissenhaft die Tür schloss. „Hier ist jetzt die Mutter von den beiden anderen.“ Meinte er nur und war dabei so verdutzt, dass ich mich kaum traute, ins Bad zu schauen. Ich mach’s kurz: Dieses Exemplar war in ihrer Pracht echt mal was Neues. Aber was sie an Größe und Widerlichkeit mehr hatte, fehlte ihr zum Glück an Schnelligkeit. In einer heldenhaften Aktion trieb Nico das Ungetüm in den Mülleimer, den er dann mit unserem Wasserkanister versiegelte und rausbrachte. Mitfühlend und selbstlos, wie er nun mal ist, sorgte er dann noch dafür, dass Mama Spinne ins Freie gelang und sich so verkrümeln und erholen konnte.

Das ist die Mama: man beachte die Relation zu den Zahnbürsten.

Das ist die Mama: man beachte die Relation zu den Zahnbürsten.

Mir schwante schon, dass es in unserem nächsten Ziel insektentechnisch nicht gerade harmloser zugehen würde und ganz leise regte sich eine gewissen Freude auf die nächste, große Stadt Luang Prabang mit ihren dichten Steinhäusern.

Dani und Dave trafen wir auch wieder, die beiden mussten tatsächlich eine Nacht in Udomxai bleiben, denn sie hatten den einzigen Bus verpasst und nicht so ein Glück wie wir mit dem Minivan. Leider mussten sie dann noch länger in Nong Khieaw bleiben, weil es in Muong Ngoi kein Internet gab und sie was Wichtiges zu regeln hatten. Daher wurde es nichts mit gemeinsamen Wanderungen 🙁