Bangkok und ick - haben uns ja doch vertragen :-)

Bangkok und ick - haben uns ja doch vertragen 🙂

Nachdem wir um 6 Uhr morgens mit dem Gefühl eines Katers aus dem Bus gekrochen waren, den Pissegestank abgeschüttelt und uns samt Rucksäcken aus der Horde gekämpft hatten, waren wir erstaunlich guter Dinge. Dass wir nach Chinatown (Entfernung ca. 3 km) wollten, stand schon fest, nur wollten wir uns nicht von den Taxi- und TukTuk-Fahrern über’s Ohr hauen lassen. Wir kamen direkt durch die Khao San Road, DIE Touristen Party- und Shoppingmeile, in der die Leute noch am Feiern waren. Es ist eine kleine, kurze Straße, die bei Tageslicht echt reizlos wirkt und von Pubs gesäumt ist. Kein Grund für uns, dorthin noch einmal zurückzukehren. Erst beschlossen wir, nur ein Stück in Richtung Chinatown zu laufen, um noch ein günstiges Transportmittel zu finden. Wir kamen an einigen Wats (Tempelanlagen) vorbei, sahen Mönche auf ihrer Morgenrunde (die Leute beteten auf der Straße auf Knien vor den Mönchen und gaben ihnen Reis) und genossen die morgendliche Ruhe und „Kühle“. Ich glaube, ICH hatte die wagemutige Idee, doch gleich den ganzen Weg zu laufen, es erschien mir nicht so weit und noch war der Rucksack nicht soooo schwer. Die Gegend gefiel mir gut (kleine Gassen und Straßen, viele Bäume, Kanäle, deren Ufer von Blumentöpfen gesäumt waren) und ich war froh, dass sich meine Horrorvorstellung von Bangkok noch nicht bestätigte.

Ziemlich schnell wurde es wärmer und drückender und die Rucksäcke wurden immer schwerer. Inzwischen war die Umgebung auch weniger schön, wir kamen durch das „Werkzeug-Viertel“, durch einen Ramschmarkt, welcher sämtliche Gässchen ausfüllte und ich wurde langsam maulig. Selbst schuld!

Mit letzter Kraft erreichten wir das River View Guesthouse und ließen uns die Zimmer zeigen. Empfohlen wurde uns ein teureres Zimmer, mit eigenem Bad und Fernseher aber ohne Fenster. Ich sah mir das Gemeinschaftsbad an, was sauber und gepflegt aussah und außerdem in der low season sicher nicht überbeansprucht war. Also ließen wir uns die günstigen Zimmer zeigen und wollten dabei zwecks guter Aussicht so weit wie möglich nach oben. Das Zimmer an sich war wiedermal recht basic, aber die Betten gemütlich und sauber und ein fast Rundum-Fenster ließ uns nicht lange zögern, obwohl der nette Chinese an der Rezeption einfach nicht mit dem Preis runtergehen wollte/ konnte. Es lag zwischen dem 7. und 8. (und damit höchsten) Stockwerk und war ein Teil des Treppenhauses, in das zur Abtrennung kurzerhand ein paar Spanplatten samt Tür gebaut worden waren, darum auch die großen Fenster.

Bangkok bei Nacht aus unserem Fenster!

Bangkok bei Nacht aus unserem Fenster!

Nach fünf Stunden Schlaf erkundeten wir die Gegend, aßen lecker und endlich wieder günstig und machten uns auf zum Bahnhof, um unsere Fahrt nach Chiang Mai zu buchen. Damit ich nicht immer nur meckere: Die staatliche Eisenbahn beschäftigt nette, junge Leute, die gut englisch sprechen und einem sehr freundlich weiterhelfen. Dies erleichterte den Ticket-Kauf und damit war die Tagesaufgabe schnell erledigt. Da wir nicht so große Ambitionen hatten, uns diese stickige Metropole zu Fuß auf den verpesteten Straßen anzusehen, gingen wir erst in einen Park und stiegen dann in den klimatisierten Skytrain. In einer Einkaufs-mall mit 6 Stockwerken, die sich über die Länge und Breite eines gesamten Häuserblockes erstreckten, stellten wir ziemlich schnell fest, dass es auch um unsere Shopping-Ambitionen schlecht bestellt war und so landeten wir im Kino. Welch Frevel! Wir hatten uns zwar sicherheitshalber Socken gekauft, froren aber in Shorts und T-Shirt entsetzlich, auch wenn uns vorher versichert wurde, dass dort 25°C herrschen sollten.

Auf dem Rückweg gerieten wir an einen TukTuk-Fahrer auf Speed und bis Nico ihn zum langsam fahren anhielt, bangte ich um mein Leben. Er raste, was der Rasenmäher-Motor hergab und fädelte das Gefährt derart knapp durch den unübersichtlichen Verkehr, dass wir nur um Haaresbreite einer Zerquetschung zwischen Bussen und Autos entgingen.

Der zweite Tag begann mit einem Frühstück im Dachrestaurant, enthielt viel Schlenderei und shopping für Nico, endete mit einem kurzen Treffen mit Thomas und Dschi, die inzwischen spontan geheiratet hatten, im Bahnhof.

Am nächsten Morgen gegen 8 Uhr nahmen wir den Zug nach Chiang Mai, der dort nach 12 Stunden ankommen sollte.

Wir haben zugegebenermaßen nicht viel von Bangkok gesehen und auch das Nachtleben nicht mitgenommen. Ich bin einfach kein Fan von Städtereisen und mir flößt Bangkok mit seiner Größe und Fremde einen Heidenrespekt ein. Auch die krassen Gegensätze von bitterarm bis unvorstellbar reich, die sich in Menschen und Gebäuden widerspiegeln und der unglaubliche Verkehr, der einem tatsächlich die Luft zum Atmen nimmt, erweckten nicht den Wunsch, noch länger zu bleiben.

Waran und Aussicht

Waran und Aussicht