In Luang Nam Tha wurde uns schnell klar, dass wir uns etwas voreilig von der Online-Welt abgemeldet hatten, denn fast jedes Guesthouse hatte Wifi. Wir bekamen zu einem „offenen-Bambusbungalow-mit-Außentoilette-Preis“ ein recht großes, schönes Zimmer mit Schrank (erst ein Grund zum Jubeln, dann doch nie benutzt…) und Fernseher (der dank Qualität und Senderauswahl stets ausgeschaltet blieb). Unser Argwohn, dass die 4€ pro Nacht ein Irrtum waren, bestätigte sich glücklicherweise nicht

Mit dem deutsch-australischen Pärchen Dani und Dave hatten wir uns für Luang Nam Tha entschieden, da hier das Zentrum des Ecotrekkings sein sollte. Es stellte sich aber heraus, dass es zu dem berüchtigten Nationalpark noch eine zweistündige Autofahrt war und die Preise für einen Guide (ohne dürfte man dort nicht wandern) nicht unserem Budget entsprachen. So blieb uns nur eins: auf dem Nightmarket gegenüber des Guesthouse’s fraßen wir uns den Kummer von der Seele :-). Von ca. 16Uhr bis 22Uhr testeten wir uns jeden Abend durch ein buntes Angebot an laotischen Naschereien und schreckten auch vor der berühmten Köstlichkeit gegrillter Hühnerfüße nicht zurück. Ob es nun an unserem Mangel asiatischer Esskunst lag, oder an kulturellen Divergenzen: an so einer Hühnerkralle ist schlichtweg außer ein bisschen Haut nichts zu knabbern, denn überall stößt man sofort auf Sehnen und Knorpel und Knochen. Die Hunde und Katzen waren dankbar!

für Nga: da ist doch gar nix dran!!!

für Nga: da ist doch gar nix dran!!!

eine Delikatesse auf dem night market: Hühnerfüße

eine Delikatesse auf dem night market: Hühnerfüße

Der Nightmarket war sowohl für sämtliche Touris, wie auch Laoten der zentrale Treffpunkt des Ortes und erstaunt stellten wir fest, wie entspannt, leise und freundlich die Atmosphäre dort war. Keiner pries lauthals seine Waren an, verhandelte krakeelend über den Preis oder unterhielt sich schreiend über sein Essen hinweg. Das war also der erste, große Unterschied zu Thailand.

Auch die Dorfköter und Streunekatzen warteten unaufdringlich auf ihre Häppchen und machten allesamt einen äußerst freundlichen Eindruck.

Während Nico seinen freien Tag hatte, mietete ich mir ein Radel (ein Gang, keine Klingel) und schloss mich voller Tatendrang Dani und Dave an, die mit einer selbstgemalten Karte vom Fahrradverleih zu einer Tour aufbrachen. Das Motto lautete: der Weg ist das Ziel. Der Weg an sich war schlicht unbefahrbar, bestand er doch aus mehr als faustgroßen Kieselsteinen, die sich mit Schlaglöchern und Matschpfützen abwechselten. Trotzdem mussten wir nur dann schieben, wenn unsere Eingang-Räder ab ca. 2% Steigung an ihre Grenzen stießen… Das eigentliche Ziel „Wasserfall“ fiel dann auch ins Wasser bzw. ins Nichtwasser, denn es sickerte nur ein Rinnsal zwischen ein paar Steinen hindurch, da es länger nicht genug geregnet hatte. So sparten wir uns den Aufstieg und das „Eintrittsgeld“.

typisch Laos: in den Ebenen ist alles voller Reisfelder

typisch Laos: in den Ebenen ist alles voller Reisfelder

Reisfelder, gerade erst angepflanzt

Reisfelder, gerade erst angepflanzt

Der Weg wurde dann sogar noch besser, denn nun bestand er nur noch aus dicken Kieselsteinen und endete scheinbar an einer Baustelle. Die freundlichen Menschen dort wunderten sich nicht schlecht über unsere sportlichen Ambitionen und versuchten uns klarzumachen, dass es ab hier nicht weiterginge. Den Schotterweg wieder zurück? Überhaupt den gleichen Weg nochmal fahren? Nicht mit uns! So kämpften wir uns durch Büffeltrampelpfade und auf Reisfeldbegrenzungen entlang, vertrieben jeden Anflug von Argwohn und kamen dann auch mächtig stolz auf der gewünschten Straße an. Weiter ging es über den Highway (was für ein Fahrgefühl!) durch eine grüne Landschaft mit Reisfeldern und fernen Hügeln und schließlich auf einer Seitenstraße durch viele, kleine Villages. Ein Links-Rechts-Verdreher führte leider dazu, dass wir dann in praller Mittagshitze und mit bereits schmerzenden Hintern noch eine beachtliche Strecke in die komplett falsche Richtung zurücklegten und uns so die Dusche redlich verdient hatten. Ganz zu schweigen von einer großen Schüssel Kao Soi (hmmm, das is Brühe mit Chilibolognese, Nudeln, Limette und frischen Kräutern)!

Nationalgericht: Khao Soy wird mit vielen Kräutern angerichtet, aber do it yourself!

Nationalgericht: Khao Soy wird mit vielen Kräutern angerichtet, aber do it yourself!

Nach dieser Tour war ich in Laos angekommen und hatte meine ersten Lektionen gelernt: der Begriff Straße ist sehr dehnbar, ein Eingangrad eine Herausforderung und die Anforderungen an Falangs ganz anders als in Thailand. Ich war ganz perplex über die ganzen Kiddies, die sich vor Freude über unser Auftauchen überschlugen und quasi ein Wink-Spalier am Straßenrand bildeten. Ich hatte bei manchen Zeitgenossen so meine Bedenken, kamen sie mir doch mit sehr mürrischer, unbeweglicher Miene entgegen, aber ein lockerflockiges „Sabbaidee“ (= guten Tag bzw. gute Gesundheit) ließ doch jeden plötzlich strahlen. Ich glaube, es ist mehr Schüchternheit als Griesgrämigkeit und jedes Zurücklächeln und -grüßen ist so ehrlich, dass man nie die Freude daran verliert.

Man sollte zusehen, dass man ganz schnell ein Experte im Dauerlächeln, Winken und „Sabbaidee“-Rufen wird, ganz egal, in welcher Situation man sich gerade befindet, es lohnt sich immer!