Am Tag von Roberts Abreise winkten wir ihm noch nach, verabschiedeten uns von Moon und stiegen in ein Longtailboat nach Railay. Es war ein ziemlich starker Wellengang und ich gruselte mich etwas in dem anfällig wirkenden Holzboot. Das ist eine Landzunge, die nur per Boot erreichbar ist und ein Magnet für Kletterer und anscheinend auch party-wütige Backpacker.

die Felsen von Railay in der Abenddämmerung
Es gibt zwei Seiten: Railay east ist die günstige Backpacker Variante voller Bungalows, Restaurants und Partylocations, wohingegen man auf der Westseite mit dem schöneren Strand nur teure Resorts findet. Landschaftlich ist es wunderschön, mit viel Dschungel, Strand, Felsen und Höhlen. Mir persönlich war es aber wieder zu viel Trubel und den Party-Backpackern stehe ich auch nicht soooo wohlgesonnen gegenüber. Eine Unterkunft zu finden war recht schweißtreibend, denn nachdem wir schon die Landzunge samt Rucksäcken überquert hatten, mussten wir auch noch die „Berge“ erklimmen, um uns die Bungalows anzusehen. Anstatt uns für die teurere, runtergekommene, Massenabfertigungsanlage zu entscheiden, bei der es bis auf weiteres weder Duschwasser, noch Wasser zum Spülen der Toiletten gab, nahmen wir in einem wirklich basic-mäßigen Holzbungalow Platz.

unser Bungalow in Railay
Beide Tage dort verbrachten wir zur einen Hälfte mit Ausflügen und Erkundungen und zur anderen mit Faulenzen am Strand und Sonnenuntergang-gucken. Die erste Wanderung führte uns über einen Dschungelpfad, zu einer weiteren Bucht (Hat Ton Sai), die wir nach 800 Metern erreichen sollten. Eine Einführung in thailändische Maßeinheiten: 100 Meter= ganz bald, 400 Meter= dauert ein bisschen und 800 Meter müsste dann weit weg sein, denn wir liefen ca. eine Stunde! Leider befanden sich fast alle Restaurants, Bars und auch die Guesthouses im „Low season Dornröschenschlaf“, ansonsten wäre es sicher ein schöner Ort (vielleicht schöner und nicht so ignorant-partymäßig wie Railay east?). Dort gibt es auch viele Kletterschulen und atemberaubende Felsen. Der Weg an den Riesenfelsen entlang nach Railay west ist nur bei Ebbe begehbar und wir erwischten anscheinend das letztmögliche Zeitfenster, denn schon 10 Minuten später blieb nur noch der Weg durch den Dschungel, oder eine Kletterpartie über spitze, steile Felsen…

es geht nunmal jeden Tag die Sonne unter, und meißtens auch noch spektakulär...
Am nächsten Morgen standen wir mal „richtig früh“ auf, da wir eine Lagune mitten auf einem Berg im Dschungel sehen wollten, die nur zu Flutzeiten mit Wasser gefüllt ist. Zuerst kletterten wir zu einem viewpoint und dann in Richtung Lagune.

da is das Seil!
Der Boden bestand nach einigen Regenfällen aus Lehmschlamm und wir waren dankbar für die Seile, die uns die Auf- und Abstiege erleichterten. Es stellte sich heraus, dass man zur Lagune richtig senkrecht hinunterklettern muss und auch einige Überhänge zu bewältigen waren. Aufgrund der rutschigen Steine und keiner Möglichkeit, uns zu sichern, machten wir nur von oben einige unspektakuläre Fotos und und beherzigten enttäuscht die elterlichen Ratschläge, kein Risiko einzugehen. Immer können wir darauf nicht hören, aber doch manchmal!!!
Ich versuche mir schon seit Koh Tao mit seinen Spinnen und angeblich auch Skorpionen anzugewöhnen, mein Handtuch auszuschütteln, bevor ich es benutze. Oft klappt es, aber manchmal vergesse ich es auch. Am Abreisemorgen dachte ich mal wieder daran, denn unser Bad beherbergte einige Kakerlaken und der Bungalow war sehr zugänglich für jegliches Getier. Wie ich da so pudelnass nach der Dusche in Handtuch schwang, fiel dann auch tatsächlich ein ungewollter Bewohner raus und direkt in Nicos Rucksack hinein. Es war so ein oller, giftiger, roter Hundertfüßler mit dem ich mich um Haar abgerieben hätte! Geistesgegenwärtig wickelte ich mich in mein nun unbewohntes Handtuch und lief samt Rucksack zur Tür hinaus.

geköpfter, giftiger Hundertfüßler aus meinem Handtuch
Da fand mich dann auch unser Bungalow-Vermieter, wie ich mit verzweifelt-ängstlicher Mine Teil für Teil aus dem Rucksack fischte. Vielleicht hatte ihn auch mein kleiner Juchzer (wirklich nur ein GANZ kleiner!) angelockt. Jedenfalls bewaffnete er sich mit einem Stock und schüttelte das Untier aus dem Rucksack, wo sich im untersten Winkel verkrochen hatte. Diese Dinger sind rasend schnell und wendig auf ihren hundert Beinen und er hatte einige Mühe, ihm den Garaus zu machen. Das schaffte er dann aber doch, indem er ihm den Kopf abzwackte. 30 Minuten später waren wir mit dem Packen fertig und verließen unsere behagliche Behausung und fanden den Körper immer noch quietschfidel nach seinem Kopf suchen! Yuck!!!
Für die Rückkehr verlangten die Longtailboot-Fahrer plötzlich einen höheren Preis, mit der Begründung „big waves“. Nach unserer Überfahrt hätte ich unserem Kapitän auch das Doppelte bezahlt, so froh war ich, heile und sogar halbwegs trocken angekommen zu sein. Big waves war keine Übertreibung und ich fürchtete mich echt -wenn auch nicht zu Tode, so doch um unsere Gesundheit und unser Gepäck. Einmal krachten wir bestimmt zwei Meter von einer Welle runter und das Boot schaukelte sich seinen Weg von Welle zu Welle. Als wir unseren bisherigen Kurs parallel zur Küste ändern mussten, um zum Strand zu gelangen, musste der Captain voll aufdrehen, um vor den Riesenwellen davon zu fahren. Das war dann ECHT beängstigend, denn hinter uns rollte die hohe Welle mit voller Wucht zum Strand und unser Heck wurde schon fast verschluckt! Ich war so heilfroh, aus dem Boot zu kommen, dass ich fast vor Freude geheult hätte. Tiefes bzw. offenes Wasser und kleine Boote sind echt nicht meine Welt, auch ohne Wellen!!!