Die Fahrt mit dem Bus von Ranong nach Krabi verlief gemütlich und ereignislos. Drei vermutlich birmesische Jungs unterhielten uns fast non stop mit folkloristischen Gesängen und ihren Fischen, die sie in Plastiktüten dabei hatten. Es war eine schöne Strecke, bei der wir bereits spektakuläre Aussichten auf die für die „andaman coast“ typischen Karstfelsen genossen. Zum ersten mal mussten wir an diversen Polizei-Checkpoints unsere Pässe vorzeigen, aber hinter Touris waren die eh nicht her.
Der Busbahnhof lag wie so oft etwas außerhalb und anstatt auf dem Parkplatz zu halten, wurden wir direkt vor einer Travel Agency rausgesetzt, wo sich natürlich gleich alle auf uns stürzten und uns überteuerte Taxifahrten anboten. Die Besitzerin vom Shop wollte uns dann auch weißmachen, dass nur einmal in der Stunde ein reguläres, günstiges Shuttletaxi nach Ao Nang fährt. Nach viel hin und her gingen wir um die Ecke auf den „richtigen“ Parkplatz und fanden diverse Mopedtaxis und Songthaews, die uns bessere Angebote machten und auch den regulären Shuttle, der alle 15 Minuten fährt. Mal wieder ein netter Versuch, uns das Geld abzunehmen!
In Ao Nang waren wir mit Robert verabredet, der noch drei Tage im Süden Zeit hatte, bevor er nach Bangkok und von dort aus nach Berlin zurückkehrte. Er hatte unsere Ankunft in seinem Guesthouse schon angekündigt und so bekamen wir ein Dreier-Zimmer zu einem günstigeren Preis, konnten aber auch nur eine Nacht dort bleiben, weil dann alles ausgebucht war. Und was für ein Zimmer: Riesengroß (also ECHT groß, so 30m²), zum ersten Mal mit Klimaanlage, Wasserkocher, Kühlschrank, Duschgel und einem Balkon, der rund ums Gebäude ging. Leider konnten wir das nicht sehr lange genießen. Aber sich selbst mal einen Tee zu kochen, wenn einem gerade danach ist, ist schon ein echter Luxus. Immer nur Wasser zu trinken hängt mir schnell zum Halse raus und immer im Restaurant zu trinken ist teuer.
Robert hat uns scheinbar gerochen, denn obwohl wir nicht verabredet waren, kam er direkt klopfen und so zogen wir los, uns Ao Nang (das im lonely planet nicht so gut wegkommt) reinzufahren. Leider ist es auch ein sehr unattraktiver Ort, es sei denn, man steht drauf, ewig angequatscht und in die Shops (die dicht an dicht das Bild bestimmen) gelockt zu werden. Dort gibt es neben viel Ramsch auch ganz nette Sachen, kauft man jedoch nichts, ist man plötzlich Luft für die ach so fleißigen Verkäufer. Robert hatte sich mit ein paar Geschwistern angefreundet, die einen Tattoo-Shop samt Mini-Bar betrieben und so feierten wir dort unser Wiedersehen mit ner Menge Gin Tonic und endeten barfuß tanzend mitten auf dem Platz, um den diverse Bars gruppiert waren. Na gut, für mich ging die Nacht noch weiter, während sich Nico verabschiedete und versuchte, trotz Karaoke-Gebrülle von draußen in unserem Luxus-Zimmer ein bisschen Schlaf zu finden.
Ich schloss mich Robert an, und wir zogen ein Stockwerk höher, wo es zwei „Clubs“ gab. Der eine war menschenleer und in dem anderen warben Ladyboys, Barladies und GoGo-Tänzerinnen um Aufmerksamkeit. Vor allem um unsere, da nur die üblichen zwei bis drei fetten Europäer und Amis am Rand saßen, die auch schon von diversen Mädels umschwärmt wurden und wir die einzigen in Tanzstimmung waren. Mir wurde das ganz schnell zu viel und ich schlich mich in unser inzwischen ruhiges Zimmer, genoss noch einen Pfefferminztee und ging zur Ruh‘.
Mit dem Sextourismus in Thailand will ich ganz sicher nichts zu tun haben, auch wenn man keinesfalls seine Augen davor verschließen kann. Verlässliche Statistiken wird es nicht geben, aber wenn man die ganzen Bars und GoGo-Schuppen bzw. Clubs und Discos sieht und sich dann die Schmiergelder (es handelt sich ja schließlich allergrößtenteils um Minderjährige!!!) vorstellt, kann man sich denken, wie es der Wirtschaft ohne den Sex-Tourismus gehen würde… RICHTIG SCHLECHT!!! Gerade habe ich ein Buch ausgelesen, was den Werdegang einer Prostituierten in Thailand beschreibt. Man bekommt auch einen Eindruck vom sozialen System und lernt viel über die thailändische Mentalität. Es heißt „Only 13, the true story of Lon“ und ich kann es nur jedem empfehlen. Vor allem sollte sich jeder, der Thailand bereist auch mit diesem Aspekt auseinandersetzen! Sicher ist, dass man auf einer Pauschalreise einen ganz anderen Eindruck bekommt, schließlich ist es dann „das Land des Lächelns“. Aber es ist eben auch das Land „of make believe“. So, das musste jetzt raus!
Am nächsten Tag kräftigten wir uns in einer leeren Seitenstraße im Restaurant von Moon, bevor wir zur Unterkunftssuche aufbrechen wollten. Das Essen war total lecker und Moon und die Mädels aus den umgebenden Shops sehr freundlich. Wir fragten sie dann nach einer Schlafmöglichkeit und sie meinte, wir könnten in ihrem Haus schlafen, woraufhin die anderen in wahre Begeisterungsstürme ausbrachen. Kurzerhand machten alle ihre Läden zu und es startete eine Mopedkolonne zu Moon’s Haus.

Moon's Haus und unser Luxus-zu Hause für drei Tage!
Es war dann tatsächlich auch ziemlich schön und luxuriös und vor allem lag es im hügeligen Hinterland, wo stets eine frische Brise weht. Dort genossen wir dann auch alle die frische Luft und quatschten eine Runde. Moon’s Tochter studiert in Schweden und ihr Mann arbeitet in der low season drei Monate lang woanders. Alleine ist es Moon nicht geheuer, dort zu schlafen und so meinte sie, sie wisse ja, dass wir Geld sparen müssen und wir sollen ruhig da schlafen. Umsonst?! Wir trauten unserem Glück nicht so richtig, so ein selbstloses Verhalten hatten wir hier noch nicht erlebt und wir hätten das Angebot wohl auch nicht annehmen wollen/können. Schnell sagten wir zu, dass wir gerne dort wohnen würden, nur wie hinkommen? Das Haus lag schließlich gute 4km außerhalb von Ao Nang. Zack, Moon’s Moped konnten wir auch einfach haben! Nachdem Nico unsere Rucksäcke hingefahren hatte, fragten wir dann auch, wie viel wir ihr denn geben könnten. Dann meinte sie auch doch, dass 500 Bhat (12, 50€) inkl. Moped für uns ein gutes Angebot wären. Also doch nicht so umsonst und uneigennützig… im Nachhinein sagte sie dann, dass sie von dem Geld die Stromrechnung bezahlen könnte. Sie hat ein Restaurant und ein Schneidergeschäft, aber in der low season ist da nicht viel los. Dann muss sie noch ihre Tochter in Schweden unterstützen, was ganz sicher nicht leicht ist. Die 500 Bhat waren ganz und gar angemessen, vor allem, weil sie immer für uns kostenlos gekocht hat, aber warum sagt sie es nicht gleich???

Einladung zum Essen bei Moon
Wir blieben nur drei Nächte, einerseits, weil wir so schnell wie möglich aus Ao Nang weg wollten, sobald Robert aufbrechen würde und andererseits weil Moon sich nun mit uns doch traute, da zu schlafen und ihre ganzen Mädels gleich mitbrachte. So wachten wir nachts auf, wenn die Horde nach Hause kam und noch englisch lernte und morgens, wenn alle wieder schnatternd aufbrachen. Dafür waren die Nächte dort schön kühl und abgesehen von den temporären Störungen auch angenehm ruhig. Und wieder gab es einen Teekocher 🙂
Moon kochte entsprechend ihrer Herkunft Gerichte aus Isaan, vor allem habe ich den spicy Papaya Salat und das Laab gai (Hühnchen ganz klein gehackt mit Bohnen und Chillies) geliebt und es war schön mit allen gemeinsam zu essen.
Eines Abends düsten wir mit Moon und Tah gemeinsam zum Haus und auf der dirt road dorthin fuhren die beiden plötzlich kreischend fast ins Gebüsch. Eine dicke, fette, lange (3 Meter?) Schlange lag mitten auf dem Weg. Wir mogelten uns vorsichtig vorbei und statt ängstlich zu sein, ging ich gleich wieder hin, um Fotos zu machen. Die Thais haben ne Riesenangst vor Schlangen, aber wer sie wie ich nur hinter Glas kennt, ist erstmal begeistert und begegnet ihr auch evtl. nicht mit dem nötigen Respekt. Später im Bett dachte ich dann doch öfter an das Riesen-Viech… Moon hatte im Nu das ganze Örtchen zusammengerufen und der Trubel bewog die Schlage, sich gemächlich in die Sträucher zurückzuziehen. Ihr Glück, denn ansonsten wird wohl jede Schlange totgeprügelt, wenn sich jemand traut, das zu übernehmen.

Schlange in Ao Nang: mit Kopf in der Luft
Zurück zu Ao Nang: stolze Preise, viele Läden, ein langer, nich so malerischer Strand und viele Touris, wo man sich fragt, wieso sie in so einem hässlichen Ort landen!!!

posen is nich so unser Ding...
Wenn man aber zur nächsten Bucht klettert, findet man vor einem Luxusresort einen wunderschönen Strand, muss aber erstmal seine Personalien angeben, bevor man ihn betreten darf. Man könnte ja sonst die Gäste beklauen, is ja aber auch kein Ding für ehrliche Seelen. Ansonsten ist Ao Nang wohl wirklich nur der Ort, den man mitnimmt, wenn man auf die ganzen Inseln (Koh Phi Phi, Koh Lanta usw.) oder nach Railay will, wie wir.