Wie es zu erwarten war, kamen wir erst recht spät von Thomas los, erreichten aber noch rechtzeitig die Autofähre und setzten aufs Festland über.

Dass wir mit Thomas mit dem Auto fahren konnten war zwar recht komfortabel, da er aber ca. alle halbe Stunde halten wollte, um ein Snack hier, ein Bierchen da (ja, als Fahrer!), ein Klo-chen dort mitzunehmen, kamen wir zu spät in Ranong an und konnten den Visa run erst am nächsten Tag machen. Ranong ist ein hässlicher Ort, der eigentlich nur stinkende Thermen und ein stinkendes Hafenviertel aufzuweisen hat, dazu wohl noch die höchste Arbeitslosen- und HIV-Infizierten-Rate in ganz Thailand. Der einzige Grund, dort zu landen ist der Visa run nach Birma. Trotzdem hatten wir einen netten, sauberen Bungalow und eine ruhige, aber kurze Nacht.

Background: wenn man per Flugzeug einreist, bekommt man eine Aufenthaltsgenehmigung von 30 Tagen. Wenn die vorbei sind, kann man entweder mit viel Wartezeit und Geld innerhalb Thailands sieben weitere Tage bekommen, oder man muss über eine Landgrenze aus- und einreisen und bekommt 15 Tage. Dabei geht es tatsächlich NUR darum, sich den Ausreise-Stempel auf thailändischer Seite zu holen, in diesem Fall die Grenze zu Birma zu passieren, dort 10 US Dollar zu bezahlen, um einen birmesischen Stempel zu bekommen und wieder nach Thailand „einzureisen“.

Wer jetzt gerade ein Fragezeichen überm Kopf hat, liegt richtig. Die Frage, warum die thailändischen Behörden nicht lieber das Geld einsacken und so trotzdem den Überblick behalten, wer wie lange in Thailand ist, ist nicht zu beantworten!

Dummerweise hatten wir am Abend zuvor bei der Bank nur einen 50 Dollar-Schein bekommen und zitterten, ob die Behörde in Birma den wohl annehmen würde. Uns wurde nämlich erzählt, dass nur druckfrische, bügelglatte, makellose 10 Dollar-Scheine angenommen werden. Wenn man Pech hatte und der Schein abgelehnt wurde, musste man in Birma zu einem miserablem Kurs einen neuen einwechseln.

In Ranong lief es für uns so:

Wir wollten unbedingt den Government-Bus (so nennen wir die staatlichen Busse) um 10h bekommen, um günstig und früh weiter nach Krabi und zu Robert zu fahren. Also befanden wir uns ziemlich unter Zeitdruck, standen um 6:30 Uhr auf und fuhren zum Immigration Office, um ausgestempelt zu werden. Dann mussten wir mit einem Boot über einen Meeresarm nach Birma übersetzen. Schon die Stimmung im Hafen von Ranong war laut, hektisch, nervig, irgendwie beängstigend und die longtailboats lagen dicht an dicht im Wasser. Für einen halbwegs guten Preis fanden wir ein Boot, was von drei halbwüchsigen Birmesen betrieben wurde. Das Ticken der Uhr die ganze Zeit im Hinterkopf warteten wir mit unseren Mitfahrern ungeduldig auf das Ablegen und verzweifelten bei jedem Boot mehr, dass vor uns auslief (denn das bedeutete längere Wartezeit im Office in Birma). Die drei Jungs täuschten den Aufbruch ungefähr fünfmal vor, um alle ruhig zu halten und immer mehr Passagiere an Bord zu nehmen. Dabei rammten wir die anderen Boote, was aber scheinbar zum Prozedere dazugehörte, uns aber immer nervöser machte. Wir waren die einzigen Farangs. Dann ging es endlich los.

Visarun nach Birma, vorne zwei der "Chefs"

Visarun nach Birma, vorne zwei der "Chefs"

Auf der einstündigen Überfahrt (über weitaus offeneres Gewässer, als wir es uns vorgestellt hatten. Zum Glück war es nicht windig/wellig!) mussten wir ca. dreimal unsere Pässe vorzeigen und wurden von miesepetrigen Beamten gemustert. In Birma angekommen nahmen wir dann sicherheitshalber unsere großen Rucksäcke mit, was die Kletterpartie über andere Boote und über ein Pier aus losen Steinen nicht gerade erleichterte. Sofort kamen ein paar Jungen (ca. 3 bis 16 Jahre alt), quatschten uns auf englisch (!) voll, zeigten uns den Weg zum Immigration Office und erhofften sich ein „Trinkgeld“, wurden aber zum Glück nicht zudringlich. Im Office kam es dann, wie befürchtet und der Beamte hatte keine 30 Dollar Wechselgeld. Erst dachte ich, der will uns nur verarschen, schließlich kommen jeden Tag Ausländer mit ihren 10 Dollar-Scheinen, dann schien es aber so, als ob er tatsächlich keine Dollars hatte. Die Männer in dem Office waren alle sehr grimmig und machten mir in ihren Uniformen irgendwie Angst. Man kommt sich dort einfach ausgeliefert vor. Nico hat noch versucht, das Geld auf der Straße zu tauschen, aber dann kam schon eine Horde Leute, die in einer Travel Agency einen organisierten Visa run gebucht hatte und der Herr konnte endlich das Geld wechseln und war plötzlich sogar recht freundlich. Ich sah Nico schon ausgeraubt in irgendeinem Graben liegen und vielleicht hat er ja gemerkt, dass ich Schiss hatte, als Nico weg war… Nico kam dann auch ohne „Kleingeld“, aber heile wieder und wir bekamen sowohl den Stempel also auch das Wechselgeld.

Birma vom Boot aus

Birma vom Boot aus

Die ganze Bootsprozedur rückwärts, nur dass jetzt noch auf Passagiere aus Birma gewartet wurde und die Uhr tickte…

Ich hatte den Bus schon abgeschrieben, denn wir legten erst 9:53 Uhr in Thailand an. Auf Nicos Enthusiasmus hin rannten wir zum Office, bekamen unseren Stempel, sprangen auf zwei Mofa-Taxis und düsten zum Busbahnhof.

Juhuuu, der Bus war noch da und so ging’s ab nach Krabi!