Nach zehnstündigem Flug mit Air Berlin und zwei grottenschlechten amerikanischen Filmen, die kein bisschen unterhaltsam waren, sind wir recht pünktlich um 9 Uhr Ortszeit gelandet. Nico hatte das Glück, etwas schlafen zu können, während ich bis auf zwei Sekundenschläfchen wach war und aus dem Fenster geschaut habe.
In Bangkok kamen wir in Rekordzeit an unser Gepäck und nach einigem hin und her entschieden wir uns, mit dem Skytrain und der U-Bahn zum Bahnhof zu fahren, wo wir um 11Uhr mit Robert verabredet waren. Ich dachte noch „mitten in der Bahnhofshalle“ sei kein präziser Treffpunkt, als er auch schon vor uns stand. Denn in der Mitte des Bahnhofs ist ein Areal, welches den Passagieren dazu dient, im sitzen bzw. liegen zu warten und ganze Familien lagern dort und das sehr gemütlich. Es gab auch einen Altar und die Menschen haben sich mitten im Bahnhof die Schuhe ausgezogen, um zu beten. Auch wir haben gleich Turnschuhe gegen Flip Flops getauscht und kurze Hosen angezogen, aber ganz ohne zu beten.

Das erste Essen auf dem Bahnhof in Bangkok. Essen?! Nee, es gab chicken. Der Kanickel-Papa war Bulle, also "no photo!"...
Natürlich musste auch gleich die nächste Mahlzeit her und wir stürzten uns in eine kleinere Halle mit Sitzplätzen und kleinen Küchen rundherum. Das Essen, welches wir einfach nach Aussehen bestellt haben, hat erstaunlich lecker geschmeckt, nur der Schärfegrad zusammen mit dem noch ungewohnten Klima ließ uns regelrecht im eigenen Saft schmoren.
Es war wohl gar nicht so leicht, die Zugtickets zu kaufen, denn es wird in vielen Kategorien unterschieden. Neben den Klassen 1-3 gibt es auch noch die Einteilungen mit Klimaanlage, mit Ventilator und ohne Allet (auch ohne Sitzplätze!). Den Ventilator haben wir uns dann aber doch gegönnt. Unser klappriger Bummelzug in türkis hat gefühlte zwei Stunden gebraucht, um aus Bangkok herauszukommen und es schien, als ob er auf Verdacht einfach alle zwanzig Meter hält, um eventuell Leute einsteigen zu lassen. Solange wir im Stadtgebiet waren, ist der Zug ca. 20kmh gefahren und wir haben jede Hoffnung aufgegeben, am selben Tag noch in Hua Hin anzukommen. Zum Glück ging es dann doch schneller weiter, denn es war fast unerträglich heiß und stickig.

Der süße Brei im Aluschälchen war das erste Gastgeschenk, hat Nico fast verschlafen!
Unser netter Sitznachbar hat uns zu einem Grießbrei-artigen Pudding eingeladen, den einer der vielen Verkäufer im Zug angeboten hat. Später gab es noch Reis mit Gemüse und Hackfleisch.
Als wir endlich in Hua Hin angekommen sind, war es leider schon dunkel. Die Jungs haben mich trotz meiner Mofa-Aversion doch dazu überredet, mich mit einem solchen Gefährt samt zwei Rucksäcken zum Strand fahren zu lassen. Ich sag nur: Linksverkehr und ca. 18Kg Gepäck nach einem solchen Tag sind nicht unbedingt ein sanfter Einstieg. Es gab dann auch gleich „Missverständnisse“, denn die Mofa-Fahrer haben uns erstmal in diverse Hotels gebracht, weil sie da wohl eine Art Provision bekommen und so kamen wir erst beim dritten Versuch am Strand an. Dass wir dann trotz der unfreiwillig verlängerten Fahrt nur die ausgemachten 50 Baht (ca 1,20 EURO) bezahlt haben fanden sie dann nich so korrekt…
Nach einigen anderen Versuchen sind wir im Tuong Tong Guest House bei Wai gelandet, die sich für die nächsten zwei Tage zu unserer Führerin, Fütterin und Wäscherin erklärte. Das war in sofern recht intensiv, weil wir die einzigen Gäste dort waren. Aber es war erstaunlich, wie nett und selbstverständlich sie uns mit- und aufgenommen hat.

"handsome määääähn, Lowböööööööhrt!" Sie verkuppelte uns gleich mit einem Haufen Barladies...
Meine schlimmsten Befürchtungen und die Gerüchte bezüglich der Unterkünfte wurden (noch) nicht bestätigt. Es war sauber und sogar recht gemütlich bei unserer Wai. Durch sie haben wir auch einige nette Barladies kennengelernt. Was die sonst so treiben wollen wir nicht so ganz so genau wissen, aber die Abende in ihrer Bar waren auf jeden Fall nett (und jugendfrei).
Hua Hin ist voll von fetten, alten Deutschen, Engländern und Skandinaviern, die mit viel zu hübschen Thai-Mädchen herumlaufen. Da Robert hier am 29. noch eine Tollwut-Impfung bekommen muss, müssen wir ein bisschen länger bleiben, als eigentlich gedacht. Es ist ein relativ großer, miefiger, enger Ort. Es gibt schon einen netten Strand, viele Läden und Bars und ist sicher zum Anfang angenehmer als Bangkok, aber mich zieht es auf jeden Fall ins Grüne.
Bis jetzt beeindruckt mich die Freundlichkeit der Menschen hier, die Art, wie sie leben und schlafen (irgendwo schläft immer irgendwann irgendwer; sei es auf einem Holztisch, an ein Straßenschild gelehnt oder auch auf dem Mofa) und ihre Zufriedenheit. Alle teilen ihr essen und trinken mit einem und sind ganz versessen daruf, mit einem zu quatschen (verwunderlich, dass es so ehrlich rüberkommt, trotz des restl. fragwürdigen europäischen Publikums…). Mein Magen ist zum Glück noch gnädig und verträglich. Das wird sich sicher ändern…
Heute ist der Hochzeitstag des Königs und wir haben versucht, mit unseren Barladies an dem Umzug teilzunehmen. Es gab eine extra Barladies-Abteilung, in der es recht laut und fröhlich zuging (das mit den Ladies bschränkt sich hier nicht nur auf Menschen weiblichen Geschlechts). Sie alle sind jedenfalls verrückt nach dem blonden Robert. Auf deren Rat hin haben wir Knie und Schultern bedeckt, was bei 35°C und der hohen Luftfeuchtigkeit schon nach Sekunden recht unangenehm geworden ist. Es sollte eigentlich um 15Uhr losgehen. Nachdem wir dann eine Stunde in der prallen Sonne an der Hauptverkehrsstraße auf dem sengenden Asphalt auf den Startschuss gewartet haben, waren zumindest Nico und ich leicht sonnengerötet und auch die Versorgung mit kühlen Tüchern und Wasser hat nicht mehr ausgereicht. Eine weitere Stunde lang haben wir dann auf der anderen Straßenseite weitergewartet… Dann haben wir es aufgegeben, denn die Organisation des Festzuges ließ doch sehr zu wünschen übrig. Es war eine Wissenschaft für sich, die tausend Teilnhemer zu gruppieren, in ordentliche Fünferreihen einzuteilen und auch erst dann kam scheinbar jemand auf die Idee, die Straße zu sperren.
Nun verbringen wir die dritte Nacht in einem anderen Guesthouse, wo wir zwar kein eigenes Bad haben, dafür aber ein bisschen sparen. Auch da ist alles sauber und es gibt bis jetzt überall Klopapier (juhuuu!). Morgen wollen wir mit dem Auto oder Mofa in einen Nationalpark aufbrechen, dort übernachten und dann geht es erstmal weiter in Richtung Süden.